Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Handlungsdruck
Kommentar zur Rentenpolitik
Von Friedrich Roeingh

Mainz (ots) - Zunächst gilt es zwei Missverständnisse auszuräumen: 1. Von Veränderungen in der Rentenpolitik sind in der Regel nicht die heutigen Rentner betroffen, sondern die künftigen. 2. Altersarmut ist weniger ein Problem der heutigen Rentnergeneration, sondern vielmehr der künftigen. Beide Einsichten verringern freilich nicht das Problem. Im Gegenteil: Während das Rentenniveau heute bei 48 Prozent des Durchschnittslohns liegt, könnte es 2030 schon nur noch bei 43 Prozent liegen. Während heute nur drei Prozent der Rentenbezieher auf staatliche Leistungen angewiesen sind, könnte es bei den Neurentnern ab 2030 schon jeder Zweite sein. Ursachen dafür gibt es viele: Die massive Zunahme der Teilzeitbeschäftigungen gehört dazu, die immer häufigere Unterbrechung der Erwerbsbiografien, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und auch die fortschreitende Absenkung der Rentenformel, die die rot-grüne Regierung Schröder im Jahr 2000 auf den Weg gebracht hat. Kein Wunder also, dass der Bundestagswahlkampf 2017 in jedem Fall auch ein Rentenwahlkampf werden wird. Allerdings brauchen wir eine Grundsatzdebatte um die Zukunft der Rente und keine Klientelpolitik, wie sie ausgerechnet die Große Koalition mit der Mütterrente, der Rente mit 63 für Langzeitbeschäftigte und der noch ausstehenden Lebensleistungsrente betrieben hat. Die nächste Stufe der Rentenreform darf auch nicht nach dem Links-Rechts-Schema verlaufen. Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit etwa steht einer höheren Belastung von Kapitalerträgen oder der Bekämpfung von Lohndumping nicht entgegen. Sinnvolle Instrumente können sich ergänzen, ja sie müssen sich ergänzen.

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