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Allg. Zeitung Mainz: Schizophren: Das Berlin/Bonn-Gesetz von 1994

Mainz (ots) - Das Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 war nichts anders als ein Trostpflaster für die Stadt am Rhein, die drei Jahre zuvor in einer denkbar knappen Bundestagsentscheidung den Kürzeren gezogen hatte. Damals wie heute ließ sich die Debatte über die Hauptstadtfrage auf die knappe Formel bringen: Pragmatismus contra Symbolik - nur, dass sich inzwischen die Vorzeichen geändert haben. 1991 waren es die Pragmatiker, die unbedingt am Regierungssitz Bonn festhalten wollten und auf die Macht des Faktischen pochten: Der Umzug nach Berlin sei viel zu teuer, Bonn habe sich als politische Schaltzentrale der Bundesrepublik bewährt und stehe im Übrigen für Bodenständigkeit und Realitätsnähe. Ein Vierteljahrhundert später: Berlin ist zu einer lebendigen Weltmetropole geworden, hat sich als würdige Hauptstadt erwiesen und als Regierungssitz bewährt. Befürchtungen, an der Spree könnten preußischer Militarismus und deutsche Großmannssucht aufblühen, bestätigten sich nicht. Ganz sicher hat das Wiedererstarken der Rechten in Deutschland nichts mit der Rolle Berlins zu tun. Längst spricht die Macht des Faktischen also gegen Bonn: Die anhaltende Zweiteilung des Regierungssitzes ist ein künstliches, schizophren anmutendes Konstrukt, das völlig unnötig enorme Kosten verursacht und ökologischer Wahnsinn ist. Erinnern wir uns: Bonn sollte 1949 ein Provisorium sein, weil man auch Deutschlands Teilung nur als vorübergehendes Stadium akzeptieren wollte. Im 26. Jahr der Einheit sollten Übergangslösungen endgültig ausgedient haben. Wir leben schon lange nicht mehr in der Bonner, sondern in der Berliner Republik.

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