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Allg. Zeitung Mainz: 71 Jahre danach
Kommentar von Andreas Härtel zu Obama in Hiroshima

Mainz (ots) - Auf große Symbolik versteht sich Barack Obama. Sein Besuch in Hiroshima wird in die Geschichtsbücher eingehen - auch wenn er keine Entschuldigung für den Nuklearangriff vor 71 Jahren ausgesprochen hat. Dass er überhaupt gekommen ist, als erster US-Präsident, kann man ihm schließlich gar nicht hoch genug anrechnen. Und selbst in Japan hatte kaum jemand eine Entschuldigung erwartet; vielmehr ging es beiden Seiten darum, ihre Verbundenheit zu betonen.

Hierfür haben die vielen Gesten und die warmen Ausführungen zur Hoffnung auf eine atomwaffenfreie Welt mehr getan als jedes "Sorry" es vermocht hätte. Denn keine Entschuldigung hätte groß genug sein können, um dem Gräuel von 1945 gerecht zu werden. Allerdings hat die Vision des mächtigsten Mannes der Welt kaum eine Chance auf Realisierung. Schon 2009 hat sich Obama der Verbannung der Bombe verschrieben. Doch haben seitdem die USA wie viele andere Länder auch die Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals mit Milliardeninvestitionen vorangetrieben. In Asien hat ein nukleares Wettrüsten zwischen Pakistan, Indien und China seinen Lauf genommen, im Ukraine-Konflikt hat Kremlchef Wladimir Putin mit Genuss von seinen nuklearen Fähigkeiten geschwärmt - und von Abrüstung lässt sich weltweit kaum noch reden.

Zwar kann sich Obama rühmen, den Iran fürs Erste von Atomwaffen abgebracht zu haben. Aber schon das Beispiel Nordkorea zeigt, worum es bei der Bombe eigentlich geht: Dass Atomwaffen all denen, die sie erlangen, Unantastbarkeit versprechen. So wird der Traum von der atomwaffenfreien Welt auf absehbare Zeit ein Traum bleiben. Weil die Welt so ist, wie sie ist.

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