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Allg. Zeitung Mainz: Dreck des Alltags - Kommentar von Lars Hennemann zur Aktion gegen Kinderschokolade

Mainz (ots) - Während die Kanzlerin in Fernost um Banalitäten wie eine globale Betrachtung des Flüchtlingsthemas ringt, suppen in der Heimat die wahrhaft wichtigen Themen hoch. Die Kinderschokolade ruft mit Jugendbildern von Jérôme Boateng oder Ilkay Gündogan rassistischen Pöbel auf den Plan. Auf Facebook, wo sonst. Neben dem DFB sah sich sogar die Kirche genötigt, Stellung zu beziehen. Ist das ein gesegnetes Land, das keine anderen Probleme hat? Ja und nein. Zu früheren Zeiten wären individuelle Gehässigkeit und intellektuelle Beschränktheit wie die derjenigen, die jetzt den Schokolade-Hersteller Ferrero aufs Korn nahmen, lokal versandet. Heutzutage bekommen diese hässlichen Aktionen sofort ein großes Podium. Die fantasievollen Gegenaktionen und die souveränen Kommentare von offizieller Seite zeigen jedoch, dass die Gesellschaft in Sachen Medienkompetenz dazulernt. Die Bewertung von Quellen ist eine von jedem Leser oder User unbedingt zu beherrschende Kulturtechnik, die immer wichtiger wird, je globaler Informationen (oder das, was manche dafür halten) verbreitet werden können. Das hilft auch ganz konkret im Alltag. Denn, machen wir uns nichts vor, gegen die erfolgreiche Nationalmannschaft trauen sich höchstens noch ganz dumpfe Geister aus der Deckung. Aber einige Spielklassen tiefer sieht das manchmal anders aus. Und alltäglicher Rassismus beschränkt sich keineswegs auf den Sport. Die Aktion auf Facebook war eine Spekulation auf solche tief sitzenden Ressentiments. Sie hat nicht gezündet. Aber nur, weil sich die anonymen Dreckschleudern den falschen Gegner ausgesucht hatten.

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