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Allg. Zeitung Mainz: Geht so
Kommentar von Lars Hennemann zu Merkel und der Türkei

Mainz (ots) - So geht Politik: Eben noch machte das Flüchtlingsthema drei Viertel der politischen Tagesordnung der Kanzlerin aus. Jetzt muss ein Blitzbesuch in der Türkei genügen, mit ein paar hingehusteten Pflicht-Floskeln zum Thema Meinungsfreiheit. In Richtung eines Regimes, das erst am Wochenende wieder Journalisten und Kulturschaffenden zeigte, wo seiner Ansicht nach der Hammer hängt. Angela Merkel wird zur Gefangenen ihrer Strategie, auf ein immer unverblümter autokratisches Regime als Türsteher zu setzen. Sie hat nichts anderes gemacht, als die ebenso schäbige wie unwirksame Logik des Dublin-Abkommens durch Stillhalteprämien an einen Despoten zu ersetzen, dem die Geografie das Glück beschert hat, wenigstens Teile des akuten Problems von Merkel fernhalten zu können. Wer sich solchen Freunden ausliefert, muss für sie TV-tauglich Opfer bringen, die Flüchtlinge verkommen dabei zur Kulisse. Die Kanzlerin verspielt so ihren Kredit im In- und Ausland - auf Dauer und gründlich. Die noch vor Kurzem angeblich mächtigste Frau der Welt macht sich und Europa zur Marionette. Was wird sie tun, wenn Erdogan die nächste Rechnung schreibt? Die Türkei wird ein großes Flüchtlingslager - auf Zeit. Und es wird nicht die EU sein, die bestimmen wird, wann diese Zeit dieses Lagers abgelaufen sein wird. Dann werden die nächsten Forderungen kommen. Wenn Merkels Strategie überhaupt irgendeinen Sinn haben könnte, dann den, während der in jeder Hinsicht teuer gekauften Zeit an den wahren Ursachen der Flüchtlingsproblematik zu arbeiten. Glauben wir, dass die Kanzlerin dafür noch genügend taktische Reserven und Freunde hat? Geht so.

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