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Allg. Zeitung Mainz: Halsstarrig
Kommentar zu Atomkraftwerken von Lars Hennemann

Mainz (ots) - Es ist zumindest ein ungewöhnlicher Vorgang, wenn die deutsche Bundesregierung ein Nachbarland darum bittet, zwei Kernreaktoren vom Netz zu nehmen. Die Replik - im konkreten Fall aus Belgien - kam ebenso schnell wie erwartbar: Alles sicher, alles im Griff. Und jetzt? In nur 70 Kilometer Entfernung zu einer deutschen Großstadt werden Anlagen betrieben, die immer wieder Anlass zur Sorge gegeben haben. Nicht jeder Störfall wäre sofort Anlass für grundsätzliche Debatten, manche waren wirklich harmlos. Die Liste der Besonderheiten in Tihange und Doel ist allerdings beunruhigend lang: Tausende Haarrisse im Druckbehälter, ausgelaufenes Wasser, und die Notkühlkreisläufe müssen vorgeheizt werden, um die Druckbehälter im Falle eines Falles überhaupt noch mechanisch stabil halten zu können. Der Leiter der belgischen Atomaufsichtsbehörde, der das alles für normal und beherrschbar hält, war neun Jahre Leiter des Kraftwerks Doel. Das wäre also ungefähr so, als dürfe VW nach der Diesel-Affäre einen neuen Leiter des Kraftfahrtbundesamtes bestimmen. Der Vorstoß von Bundesumweltministerin Hendricks ist also absolut berechtigt. Er wird aber zu nichts führen. Weil Atomkraftwerke immer auch strategisch bewertet werden: Sie machen unabhängig von fossilen Brennstoffen und sind - theoretisch - grundlastfähig. Wenn sie denn laufen. Die Verfügbarkeit von Tihange und Doel liegt aber schon seit Jahren wegen ihrer Anfälligkeit im fast schon lächerlichen Bereich. Aber bevor man das einsieht, auch aus wirtschaftlichen Gründen final abschaltet und sich in Abhängigkeit von französischem oder deutschem Strom begibt, bleibt man in Brüssel lieber halsstarrig. Gefährlich halsstarrig.

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