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Allg. Zeitung Mainz: Dekadent
Kommentar zum Kölner "Abi-Krieg" von Reinhard Breidenbach

Mainz (ots) - Das hat nun gerade noch gefehlt. Dass sich die Polizei mit steinewerfenden Rechts- und Linksextremisten, sturzbetrunkenen Horden vermeintlicher Fußballfans und Molotowcocktail-bewaffneten Banken-Hassern auseinandersetzen muss, scheint unabänderliches Schicksal. Die Vorstellung aber, dass demnächst Wasserwerfer vor Gymnasien auffahren müssen, weil die jungen Damen und Herren Abiturienten geruhen, voll durchzudrehen, ist nachgerade absurd. Man ist geneigt, sich an Guido Westerwelles Wort von der "spätrömischen Dekadenz" zu erinnern oder zu konstatieren, dass Teile der Gesellschaft des Jahres 2016 schlicht durchgeknallt sind. Und zwar quer durch alle sozialen Schichten. Um mit Angela Merkel zu sprechen: Nichts darf unter den Teppich gekehrt werden, seien die Täter Araber, Nordafrikaner oder Töchter und Söhne des guten deutschen Bürgertums. Einige Gründe: ein großflächiger Respektverlust gegenüber allem, was auch nur nach Obrigkeit riecht, die Enttabuisierung von Gewalt und eine pathologische Gier nach dem "Kick", dem "Hype". Wenn dann noch Alkohol hinzukommt, ist der Molotow-Cocktail fast perfekt. Was tun? Dagegen ankämpfen, auf allen Ebenen. Auffällig: Köln, immer wieder Köln. Das deutet darauf hin, dass nicht nur der nach Silvester geschasste Polizeipräsident ein Versager war, vielmehr der NRW-Innenminister noch immer einer ist. Ein ganz großes "Aber": Nicht nur die politischen und polizeilichen Verantwortlichen müssen sich aufs Kritischste hinterfragen, sondern auch diejenigen unter den Eltern, die vielleicht nicht so genau wissen, was ihre Töchter und Söhne auf angeblichen Abi-Feiern so treiben.

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