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Allg. Zeitung Mainz: Vorläufig Frieden
Kommentar zum Fall Edathy von Reinhard Breidenbach

Mainz (ots) - Die "gute alte Tante" SPD zeigt im Fall Edathy ihr mildes Gesicht. Ob aus Gnade oder auch aus Eigennutz, ist noch unklar. Der wegen Kinderpornos ins Schlingern geratene ehemalige Abgeordnete sollte das als Teil eines Resozialisierungsprozesses verstehen. Noch vor ein paar Monaten war er durch Rotzigkeit aufgefallen. Nun scheint er ruhiger geworden zu sein. Er ist billig davongekommen. Das Strafverfahren wurde gegen Zahlung von 5000 Euro eingestellt - ein Schlag ins Gesicht von Opfern und nachgerade, wenn auch vom Gericht nicht gewollt, eine Ermutigung für schmierige, nicht selten kriminelle Gesellen, die ihren Reibach machen. In der SPD und auch in anderen Parteien mögen nun viele zürnen, dass manch einer wegen geringerer Anlässe hinausgeworfen wurde. Gerechter wäre es gewesen, Edathy jetzt auszuschließen mit der Option, in ein paar Jahren über eine Neuaufnahme zu entscheiden. Natürlich bleibt bei alledem ein Verdacht, der Deal zwischen SPD und Edathy sei zumindest ein bisschen schmutzig gewesen. Weiß er noch mehr? Und was weiß Michael Hartmann, der jetzt schweigt - was er angesichts gegen ihn gerichteter staatsanwaltschaftlicher Recherchen darf, aber nicht muss? Es gibt die Theorie, dass im Medienzeitalter alles, was verborgen wird, irgendwann ans Licht kommt. Vielleicht ist im Fall Edathy nichts mehr verborgen, vielleicht doch. Zunächst, bis auf Weiteres, müssen alle Beteiligten mit der Sache ihren Frieden machen. Ohnehin muss die Gesellschaft irgendwann mit dem vorläufig und zu Recht moralisch geächteten Edathy eine Art Burgfrieden schließen. Selbst Mörder kommen meist nach 15 Jahren frei.

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