Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Hoffnungsschimmer
Kommentar von Karl Schlieker zu Syrien

Mainz (ots) - Papier ist geduldig. Der Plan für eine Feuerpause in Syrien ist vielversprechend, aber er ist von der Realität der Menschen noch weit entfernt. Die Kämpfe gehen noch mit ungebrochener Härte weiter. Nicht nur das belagerte Aleppo gleicht einer Trümmerwüste. Eine humanitäre Katastrophe. Die Vereinbarung setzt die richtigen Eckpunkte: Humanitäre Hilfe der UN für die eingeschlossenen Orte, Feuerpause mit Ausnahme der Kämpfe gegen die Islamisten, Friedensgespräche. Doch die Nachrichten wenige Stunde nach der Einigung sind ernüchternd. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad kündigt in einem Interview an, dass er ganz Syrien zurückerobern will. Und gleichzeitig wird gemeldet, dass russische Bodentruppen das Regime in Syrien tatkräftig unterstützen. Die Waffen schweigen noch lange nicht. Das erinnert an das russische Vorgehen in der Ukraine. Dort hatte Putin noch schnell militärisch Fakten geschaffen, um mit möglichst großen Geländegewinnen in den Waffenstillstand zu gehen. Ermutigend ist allerdings, dass an den Gesprächen über eine Feuerpause alle Parteien mit Ausnahme der Islamisten beteiligt waren. Denn USA, Europa und Russland sind ebenso wie die wichtigen Regionalmächte Saudi-Arabien, Iran und die Türkei in die kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt. Nur in gemeinsamen Verhandlungen kann der verworrene Konflikt gelöst werden. Denn es geht nicht nur um den Kampf gegen die Islamisten, sondern auch um die Konflikte zwischen Saudi-Arabien, Türkei, Iran und Irak. Die vereinbarte Feuerpause ist ein Hoffnungsschimmer auf dem Weg zum Frieden in Syrien, mehr nicht.

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