Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Tiefe Spaltung
Kommentar zu Ostdeutschland, von Karl Schlieker

Mainz (ots) - Erlebt der Osten Deutschlands nun doch noch die viel beschworenen und heiß ersehnten blühenden Landschaften? Ja, aber nur in den Städten, lautet die Antwort. Die gute Nachricht: Damit normalisieren sich die Verhältnisse in den neuen Bundesländern. Denn der Trend der Urbanisierung ist rund um den Globus zu beobachten. Die schlechte Nachricht: Zwischen Stadt und Land öffnet sich eine beängstigende Kluft. Auf der einen Seite stehen die Gewinner, Universitätsstädte wie Dresden, Leipzig und Jena oder attraktive, günstig gelegene Städte wie Potsdam. Die neun ostdeutschen Großstädte sind die einzigen Orte in den neuen Bundesländern, die mehr Arbeitssuchende gewinnen als verlieren. Der Zuzug zeigt, die Städte im Osten werden bundesweit konkurrenzfähig. Für die ländlichen Regionen im Osten wird es mit schwindender Bevölkerung dagegen immer schwieriger, die Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten und öffentlichem Nahverkehr aufrechtzuerhalten. Damit droht ihnen eine Abwärtsspirale aus Bevölkerungsrückgang und schwindender Versorgung. Das Grundproblem gilt aber auch für abgelegene Regionen im Westen. Das alles macht deutlich: Der Osten ist kein Sonderfall mehr. Die Verlierer-Regionen haben nur eine Chance, wenn sie gezielt um Zuzügler werben. Familien sind im Speckgürtel der Großstädte weiterhin mit günstigem Wohnraum zu locken, Ältere sind an barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen interessiert. Flüchtlinge könnten theoretisch dort einfacher integriert werden, wo man sich wie in den Dörfern gegenseitig kennt und unterstützt. Allerdings müssen die Gemeinden sie aktiv einbinden, ansonsten werden sie so schnell wie möglich die Nähe zu ihren Landsleuten in den Städten suchen.

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