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Allg. Zeitung Mainz: Drei Rezepte
Kommentar zu Langzeitkrankheiten von Mario Thurnes

Mainz (ots) - Gegen Langzeitkrankheiten gibt es drei Rezepte, Behandlungsprogramme kommen dabei erst an letzter Stelle. Denn erstens muss sich die Gesundheitspolitik ändern. Das lässt sich leichter niederschreiben als umsetzen. Denn das Gesundheitswesen steht unter massivem Kostendruck - und die Politik unter massivem Lobbyistendruck: Der Pharmavertreter verhindert Kostensenkungsgesetze und der Ärztevertreter setzt höhere Pauschalen durch. Danach kommt noch der Finanzminister und verweigert eine Erhöhung des Zuschusses, den Krankenkassen für die Übernahme von staatlichen Aufgaben erhalten. Mit der Folge, dass gesetzlich Versicherte immer mehr für immer weniger Gegenleistung bezahlen: Auf Termine bei Fachärzten warten sie mitunter ein halbes Jahr, und selbst Vorsorgeuntersuchungen werden immer häufiger gestrichen. Zweitens müssen Arbeitgeber sorgsamer mit ihrem Humankapital, ihren Mitarbeitern, umgehen. Denn die digitalisierte "Wirtschaft 4.0" erhöht nicht nur die Möglichkeiten, sondern verdichtet auch die Arbeit: Immer mehr Menschen müssen Aufgaben parallel erledigen und dauerpräsent sein. "Mails jederzeit abrufen können" ist nicht nur ein Versprechen, sondern auch eine Belastung, wenn der Chef der ersten elektronischen Nachricht nach einer Stunde eine zweite folgen lässt, wo denn die Antwort bleibe. Arbeitgeber müssen Menschen, die sie beschäftigen, auch Pausen gönnen. Wer körperlich arbeiten lässt, muss an Arbeitsplätzen alles umsetzen, was hilft, Belastungen zu mindern. Erst wenn erstens und zweitens angegangen werden, erst dann ist drittens sinnvoll: Behandlungsprogramme für Langzeiterkrankungen.

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