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Allgemeine Zeitung Mainz: Zweischneidig
Kommentar zur Norah-Studie von Markus Lachmann

Mainz (ots) - Die Norah-Lärmstudie ist veröffentlicht und schon haben die Kämpfe um die Deutungshoheit begonnen. Dabei sollte man sich die Ergebnisse ohne Schaum vor dem Mund anschauen, denn sie liefern interessante Ansätze für die weitere Lärmforschung. So gab es noch keine Untersuchung, die einen derart starken Zusammenhang zwischen dauerhaftem Verkehrslärm und Depressionen herausgearbeitet hat. Markant ist, dass Norah fast kein erhöhtes Risiko sieht, durch Fluglärm an Bluthochdruck zu erkranken. Dies widerspricht einer Reihe anderer Studien zum Thema, hier dürfte das letzte Wort der Wissenschaftler noch nicht gesprochen sein. Lärm ist auch Einstellungssache, diese Erkenntnis ist nicht neu. Ein Fraport-Mitarbeiter, der in Mainz lebt, dürfte weniger Probleme mit dem Krach haben als jemand, der nie fliegt. Aber in Raunheim, wo die Jets praktisch durchs Wohnzimmer fliegen, wird es mit der positiven Einstellung schon schwieriger. Ein weiteres Ergebnis: Fluglärmgegner schlafen schlechter. Aber vielleicht sind sie ja Fluglärmgegner, weil sie schlechter schlafen? Hier wird es schwierig. Die Studie bestätigt, dass es richtig war, ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen von 23 bis 5 Uhr zu verhängen. Doch auch diese Erkenntnis bleibt zweischneidig, denn fester Schlaf bringt nichts, wenn man um 4.45 Uhr vom Überseeflieger wieder aufgeweckt wird. Die Lärmbelastung im Rhein-Main-Gebiet bleibt hoch und beeinträchtigt die Lebensqualität. Airlines und Fraport, die zusammen mit dem Land Hessen die Studie bezahlt haben, sollten sich davor hüten, zu jubilieren. Die Debatte um Lärmminimierung an einem Airport in bester Innenstadtlage muss weitergehen.

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