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Allg. Zeitung Mainz: Rätsel in Rom
Kommentar von Friedrich Roeingh zur Familiensynode im Vatikan

Mainz (ots) - Man kann das vielsagende Nichtergebnis der römischen Familiensynode beklagen, bei der sich 270 alte Männer solange in ihren Positionen beharkt haben, bis nichts Konkretes mehr übrig blieb. Man kann aber genauso die anschließende Rede des Papstes bejubeln, bei der dieser die Ortskirchen gestärkt und dezentralen Lösungen das Wort geredet hat. Wenn der Papst sein Versprechen wahr macht, dass die jeweiligen Bischofskonferenzen bei der Auslegung der katholischen Lehrmeinungen deutlich mehr Entscheidungsbefugnisse bekommen sollen als bisher, kann das am Ende tatsächlich schwerer wiegen, als wenn die Bischofssynode in konkreten Fragen freie Bahn gegeben hätte - etwa für die Zulassung wiederverheirateter Katholiken zu den Sakramenten. Wenn diese Stärkung der Regionalkirchen tatsächlich kommt, liegt in ihr allerdings auch eine Tücke. Am Beispiel im Umgang mit Homosexuellen wird dies besonders deutlich. Wer darauf schaut, welchen Repressionen Schwule und Lesben in Afrika oder Asien ausgesetzt sind, mag zu der Erkenntnis kommen, dass diesen Menschen eine leichte Positionsveränderung der katholischen Weltkirche mehr bringen würde, als wenn europäische Bischofskonferenzen ihre Kirchentüren für Homosexuelle öffnen. Welchen Weg Papst Franziskus bei der Entdogmatisierung der Kirche und ihrer stärkeren Zuwendung zu den Menschen auch einschlagen wird - eines hat die Synode gezeigt: Auch er wird seine Kursänderungen nur peu à peu durch Bischofsberufungen absichern können. Das ist zumindest für das Bistum Mainz keine schlechte Nachricht, das schon jetzt der Nachfolge seines volksnahen Bischofs Kardinal Lehmann entgegenbangt.

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