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Allg. Zeitung Mainz: Ermutigung
Kommentar zum Friedensnobelpreis, von Karl Schlieker

Mainz (ots) - Die Überraschung ist gelungen. Das tunesische Quartett für den nationalen Dialog hatte für den Friedensnobelpreis niemand auf der Rechnung. Es ist eine ausgesprochen gute Wahl. Tunesien ist praktisch das einzige Land des Arabischen Frühlings, in dem nicht erneut ein autokratisches Regime das Zepter übernommen hat oder in dem kriegerisches Chaos herrscht. Der Weg des nordafrikanischen Staats zu einem konstitutionellen Regierungssystem, das den Menschen unabhängig von Geschlecht, Religion und politischer Gesinnung die grundlegenden Rechte garantiert, war und ist steinig. Ohne die nationale Vermittlerrolle des Bündnisses aus Gewerkschaften, Arbeitgebern, Menschenrechtlern und Juristen wäre das Land ebenfalls längst in blutigen Auseinandersetzungen versunken. Auch die Einbindung der gemäßigten islamistischen Kräfte im Land war ein Eckpfeiler der Strategie. Der Friedensnobelpreis kommt jetzt als Ermutigung für die demokratischen Kräfte zur rechten Zeit. Denn angesichts von islamistischen Anschlägen und sozialen Verwerfungen steht Tunesien erneut vor einer harten Belastungsprobe. Nicht ein Staatsführer wurde ausgezeichnet, der von oben die Geschicke eines Landes lenkt und weltweite Krisen managt. Nein, der Preis geht an die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die von unten an der Basis das Gespräch suchen und Gräben überbrücken. Damit könnte die Auszeichnung des tunesischen Quartetts für den nationalen Dialog auch ein Ansporn für die Menschen in den anderen Staaten des Arabischen Frühlings sein, einen neuen Anlauf für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu nehmen.

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