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Allg. Zeitung Mainz: Unbehagen
Kommentar zu Integration und Anpassung von Alexandra Eisen

Mainz (ots) - Wenn sich Männer und Frauen aus religiösen Gründen weigern, zur Begrüßung dem jeweils anderen Geschlecht die Hand zu reichen, gilt diese Weigerung hierzulande als Unhöflichkeit; wenn Männer auf dieser Art Frauen "ignorieren" gelten sie als frauenfeindlich. Das muss jedem streng gläubigen Muslim und auch jedem orthodoxen Juden klar sein, der sich unbedingt an diese religiöse Regel halten will. Der verweigerte Handschlag ist eines von vielen Beispielen, bei denen sich in Teilen der Bevölkerung zunehmend Unbehagen breitmacht. Angesichts der großen Anzahl von Flüchtlingen, die aus muslimischen Ländern kommen und mitunter andere Vorstellung von Religionsausübung, Moral oder Gleichberechtigung haben, wird die Frage nach deren "Integrierbarkeit" immer lauter. Die Frage ist berechtigt, sie sollte aber nicht bange und hinter vorgehaltener Hand gestellt werden. Bei der Integration dürfen wir deshalb nicht nur Deutschkurse im Blick haben und die Hoffnung, dass die Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt oder in der Schule schon für das notwendige Verständnis für unsere Kultur, Werte und Lebensweise sorgen wird. Eine Unterweisung der Neuankömmlinge in Erstaufnahmen und Schulen zum Thema Grundgesetz, Kultur und Spielregeln in der neuen Heimat ist deshalb sinnvoll. Ein "Integrationspflichtgesetz" aber, wie Julia Klöckner es nun fordert, gehört in die Kategorie "Schnapsidee", ist nebenbei juristischer Humbug und dem nahenden Landtagswahlkampf geschuldet. Und: Hätte Klöckner bei der Handschlag-Verweigerung eines streng gläubigen Juden aus Protest wohl ebenso medienwirksam auf ein Gespräch verzichtet?

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