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Allg. Zeitung Mainz: Blairs Albtraum
Kommentar zur Labour-Partei von Markus Lachmann

Mainz (ots) - Als das Ergebnis der Labour-Urwahl bekannt gegeben wurde, hätte man gerne das Gesicht von Tony Blair gesehen. Denn für den früheren Premier dürfte das Votum einer Katastrophe gleichkommen. Vielleicht sieht da auch nur jemand sein Lebenswerk die Themse heruntergehen. Denn die Wahl des bärtigen Urlinken Corbyn, ein Hinterbänkler und langjähriger Parteirebell, ist ein Statement gegen die neoliberale Politik, die von Blair Ende der 1990er Jahre eingeleitet worden war. Abgesehen von dem Schönheitsfehler, dass sich 120000 Sympathisanten für drei Pfund das Stimmrecht erkaufen konnten, zeigt die Entscheidung: Für viele Parteimitglieder gibt es eine Alternative zu Sparpolitik und Privatisierung, zu Kriegseinsätzen und Atomwaffen. Labour steht damit vor einer Zerreißprobe, denn manchen Mitgliedern geht der Linksaußen- Kurs des 66-Jährigen zu weit. Aber die Partei scheint für junge Menschen wieder wählbar. Damit sind die britischen Sozialdemokraten noch lange nicht regierungsfähig. Auch für die künftige EU-Politik muss der Linksruck nichts Gutes bedeuten. Gleichwohl werden die Genossen in Deutschland, im Willy-Brandt-Haus, die Entwicklung auf den Inseln aufmerksam verfolgen. Es gibt Stimmen, die sagen, auch den deutschen Sozialdemokraten, die irgendwo bei 25 Prozent vor sich herdümpeln, könne ein Linksruck bevorstehen. Dann nämlich, wenn die Bundestagswahl 2017 in Bausch und Bogen verloren geht und die Strategie der SPD, sich als zweiter Arbeitnehmerflügel der CDU zu profilieren, endgültig gescheitert ist. Gerhard Schröder wird dann womöglich so dreinschauen wie Tony Blair.

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