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Allg. Zeitung Mainz: zu Griechenland
Die Substanzfrage

Mainz (ots) - Die Nein-Stimmen in der Unionsfraktion sind Peanuts in Relation zu dem, was insgesamt auf dem Spiel steht, nämlich Frieden und ökonomische Stabilität in Europa. Volker Kauder hat pflichtschuldigst ein wenig Radau gemacht und damit, wie beabsichtigt, die Pfeile auf sich gezogen. Ein eher erfrischendes Intermezzo, ohne die geringste Auswirkung auf die Bewegungsfreiheit der Regierung, noch weniger auf Merkels unangefochtene Rolle. Dass Schäuble auf einen moderaten Pro-Griechenland-Kurs einschwenkte, war enorm wichtig. Allerdings wusste der Meister der Taktik auch, dass es gar keinen anderen Weg gab - diesmal, und wenn es mit rechten Dingen zugeht damit auch zum letzten Mal. Wenn Griechenland diese Chance nicht nutzt, hat es keine weitere verdient - eigentlich. Aber wer weiß. Dies festzustellen gebietet der Realitätssinn, und zwar auch dann, wenn man sich bewusst ist, welch hohes Gut Solidarität ist, und in wie starkem Maße gerade Deutschland nach den beiden Weltkriegen von Solidarität profitiert hat, nicht zuletzt ökonomisch. Deutschland hat sich dieser Solidarität würdig erwiesen und das Seine getan. Es ist dringend zu hoffen, dass nun Griechenland das Seine tut. Der Weg bleibt hart, aber er ist schon nicht unbeträchtlich geebnet. Die EU kann auf Dauer keine Transfergemeinschaft sein. Denn es stellt sich die Gerechtigkeitsfrage: Slowenischen oder portugiesischen Rentnern ist es nicht zumutbar, für Griechenland zu bezahlen. Es stellt sich auch die Sub-stanzfrage. Dauertransfers nach Athen würden präjudizieren: Dauertransfers für jeden, der ruft. Was aber, wenn etwa Frankreich wankte? Nein, Dauertransfers sind keine Lösung. Dann lieber ein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten - und Währungen.

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