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Allg. Zeitung Mainz: Längst überfällig
Kommentar zur Pflegestudie

Mainz (ots) - Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen durch Angehörige ist aller Ehren wert. Gleichwohl fehlte bislang weitgehend die Anerkennung in und durch die Regelungen der Pflegeversicherung. Besonders die Angehörigen demenziell erkrankter Menschen bewegen sich, was die eigene Gesundheit anbelangt, oftmals am Abgrund. Die schleichende charakterliche Veränderung Demenzkranker ist ein schwerer Prüfstein für deren Kinder oder Ehepartner, die voll guten Willens den Kranken nicht aus seinem häuslichen Umfeld reißen wollen und ihn deshalb zu Hause versorgen. Auch der oftmals in der Gesellschaft gar nicht so unterschwellige Vorwurf, die Unterbringung in einem Pflegeheim sei nichts anderes als eine Abschiebung, trägt zu den hohen Zahlen familiärer Pflege bei. Und sorgt bei sich verschärfenden Umständen nicht selten für den ersten Schritt in jenen Teufelskreis aus Ängsten, Selbstvorwürfen, Überforderung und Trauer um den sich so sehr verändernden Menschen, der in einer Depression endet oder enden kann. Dann kommen auch auf den Pflegebedürftigen weitreichende Veränderungen zu, die den Verlauf seiner Krankheit negativ beeinflussen. Die voll umfängliche Einbeziehung der Demenzsymptomatik in die Wertungssysteme der Pflegeversicherung ist längst überfällig. Aber selbst wenn die Bestimmungen demnächst so sein sollten, dass sie den Angehörigen mehr von ihrer schweren Last von den Schultern nehmen, müssen die ersten Schritte von den Betroffenen selbst kommen. Das hat nichts mit fehlender Liebe für den Kranken oder Drückebergerei zu tun. Es ist vielmehr ein notwendiger Schritt, um die Achtsamkeit für die eigenen Belange nicht vollständig aus den Augen zu verlieren.

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