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Allg. Zeitung Mainz: Grauzone bleibt
Kommentar zum Korruptionsgesetz

Mainz (ots) - Verboten war es schon immer, unmoralisch sowieso, aber nun wird es endlich strafbar: Das kleine Zubrot, dass sich manche niedergelassenen Ärzte jahrelang damit verdienen konnten, dass sie ein bestimmtes Medikament bevorzugt verschrieben haben. Die Betonung liegt übrigens auf "manche", denn nur ein (hoffentlich ganz extrem) kleiner Bruchteil der Ärzte muss als korrupt gelten. In Zukunft kann das teuer werden. Es war höchste Zeit, diese Win-win-Situation für Pharmaindustrie und Arzt zu beenden, denn außer diesen beiden gab es nur Verlierer: Der Patient, der sein Medikament nicht aufgrund der bestmöglichen Wirkung und Verträglichkeit verschrieben bekam, und die Versichertengemeinschaft, weil letztlich die Pharmafirmen ihre "Kosten" natürlich auf den Medikamentenpreis draufschlugen. Bestechlichkeit nennt man das, und die ärztliche Berufsordnung verbietet es. Es ist nur eine Form, in der im Gesundheitswesen durch unerlaubte Absprache und Vorteilsnahme die eigenen Taschen gefüllt werden. Wenn das Gesetz, das für alle Heilberufe, also auch für Therapeuten, Apotheker und Pfleger gilt, nun bis zu drei Jahre Haft vorsieht, ist das hoffentlich abschreckend genug. Die Ärztelobby hat auf jeden Fall kräftig mitgestrickt, um Schlimmeres zu verhindern. Eine andere Art von häufig indirekten Vorteilen bleibt so auch künftig straffrei: Pharmaunternehmen werden weiterhin Ärzte zu oft luxuriösen Fortbildungen einladen und ihre Produkte entsprechend ins rechte Licht rücken oder den Medizinern Geld bezahlen, wenn sie ihre Medikamente in Form von Studien testen und Ergebnisse dokumentieren. Eine Grauzone, über die man trefflich streiten kann.

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