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Allg. Zeitung Mainz: Rohrkrepierer
Kommentar zur SPD

Mainz (ots) - Wer die Worte des Kieler SPD-Ministerpräsidenten Albig bewerten will, muss sich den Hintergrund vor Augen führen. Merkel überragt derzeit alle und alles, ihren Vizekanzler Gabriel allemal. Die einzige theoretische Option für die SPD, eine Bundesregierung zu führen, ist in Wahrheit keine: Rot-Rot-Grün. Inhaltlich drängt die CDU zur Mitte, aber wenn die SPD nach links ausweicht, wird die Wählerzustimmung sicher auch nicht besser. Eine missliche Lage also, aber in einer solchen steckte die SPD auch zwischen 1982 und '98. Dann kam Schröder, und Kohl musste gehen. Richtige Zeit, richtiges Personal, richtige Konstellation für die Sozialdemokraten, wie schon 1969 unter Brandt. Albig ist eigentlich ein Vollprofi. Er weiß, dass viele Genossen kreuzunglücklich sind, weil sie nicht wissen, ob irgendwann der nächste Schröder kommt. Und so könnte es Albigs Absicht gewesen sein, einerseits die Merkel-CDU in Sicherheit zu wiegen und zum Übermut zu verführen, andererseits die eigenen Leute aufzurütteln, vielleicht sogar mit einer Prise Ironie, quasi mit freundlichen Grüßen von hinterm Deich. Nur: Vor dem Deich, vor allem bei der rheinland-pfälzischen und der baden-württembergischen SPD, versteht man da überhaupt keinen Spaß, denn beide Landesverbände haben am 13. März Landtagswahlen zu bestehen, und sie können beide keinesfalls sicher sein, auch am 14. März noch Regierungspartei zu sein. Einen Rohrkrepierer hat Albig da also produziert, und die SPD kann nur hoffen, dass das nicht auch bei Albig schon Verzweiflung war, die sich da Bahn brach.

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