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Allg. Zeitung Mainz: Braunes Mysterium /Kommentar zum NSU-Prozess

Mainz (ots) - Führt Beate Zschäpe die Justiz und damit den Staat an der Nase herum? Die mutmaßliche Rechtsterroristin, der zehn Morde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) zur Last gelegt werden, gilt nicht erst seit gestern als das Gehirn der braunen Bande, die jahrelang den Verfassungsschutz der halben Republik narren konnte. Wäre es also nach dem teilweise erschütternden Versagen der Ermittlungsbehörden jetzt fatal, wenn auch die Gerichtsbarkeit nicht eine besonders schwere Gegnerin in die ihr gebührenden Schranken verweisen könnte? Oder ist genau dieses Überhöhen und Stilisieren schon ein Teil des Problems? Beate Zschäpe ist immer noch ein relatives Mysterium. Sichtbar changiert die Frau, gegen die seit zwei Jahren in München verhandelt wird, sehr gezielt und sehr gekonnt zwischen zwei gegensätzlichen Rollen: Popstar und Märtyrerin. Von diesen beiden Polen aus lässt sich ein Prozess hervorragend mit Verfahrenstricks ins Schlingern bringen. Richter Manfred Götzl ist also weiß Gott nicht zu beneiden um seine Aufgabe. Was er und das gesamte Verfahren jetzt am dringendsten brauchen ist schlicht Ruhe. Ruhe vor allzu schrillen Erwartungen, die auch durch so manche Schlagzeile geschürt wird. Es ist nicht das leibhaftig Böse, das in München auf ein Urteil wartet - und bekommen wird. Justitia kann und darf nicht krachend nachholen, was die Schlapphüte verpatzt haben, sondern arbeitet nach ihren eigenen Maßstäben. Und die sind langsam, nicht immer sofort verständlich, aber immer gründlich. Man kann darauf vertrauen, und das ist das wichtigste Signal, das jetzt nach München gehen muss. Auch an Frau Zschäpe.

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