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Allgemeine Zeitung Mainz: Barbarisch
Kommentar zum Kükenschreddern

Mainz (ots) - Ich wollt', ich wär' ein Hahn, dann würde nichts getan. Ich würd' mit meinen Hühnern gehen, das wäre wunderschön", hatten die Comedian Harmonists in den 30er Jahren getextet. Tolle Zeiten waren das für die Hähne. Doch seither wurde die Geflügelhaltung industrialisiert und strengen Rentabilitäts-Kriterien unterworfen. Nach denen werden Hänchen aussortiert, weil sie keine Eier legen und sich ihre Mast nicht rechnet. So werden Jahr für Jahr Millionen unrentable, männliche Küken vergast oder geschreddert. Es muss ja alles billig sein. Wir Verbraucher haben für diese barbarische Fehlentwicklung genauso viel Verantwortung wie die Geflügelzüchter. Jetzt ist ein Ende des Schreckens in Sicht. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) unterstützt eine pränatale Methode der Geschlechterbestimmung, um männliche Küken noch vor dem Ausbrüten aussortieren zu können. Nur die Weiblichen schlüpfen. Technisch soll das 2017 machbar sein. Bis dahin aber werden männliche Küken millionenfach und völlig sinnlos vernichtet. Und selbst dann ist der Ausstieg aus dem Schreddern nicht verbindlich geregelt. Allein Hessen hat bereits ein rechtskräftiges Verbot des Schredderns erlassen. Es greift, sobald die pränatale Geschlechtererkennung marktreif ist. Das ist gut soweit. Besser wäre, die Züchter würden nicht auf leistungsstarke Legehennen und Mastlinien mit hohem Brustfleischanteil setzen. Damit würde Geflügel zwar deutlich teurer, die Hühner aber wieder glücklicher. Oder um es mit den Comedian Harmonists zu sagen: "Ich wollt', ich wär' ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun, ich legte vormittags ein Ei und abends wär' ich frei".

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