Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Die Realität
Kommentar zu 24-Stunden-Kitas

Mainz (ots) - Es würde der Diskussion um die 24-Stunden-Kita ungemein gut tun, wenn man sie von konservativer Familienideologie befreien würde. Und wenn sich die lautstarken Gegner erst einmal darüber informieren würden, worum es geht. Besser gesagt, worum es nicht geht. Es geht nicht darum, Kinder länger als bisher betreuen zu lassen, sondern es geht darum, sie zu anderen Zeiten betreuen zu lassen. Und es geht auch nicht darum, einen staatlich organisierten Babysitter für Eltern anzubieten, die gerne die Nacht durchfeiern oder ihre Kinder "loswerden" wollen. Sondern es geht um die Unterstützung von Eltern, die bis spätabends, nachts, oder sehr früh arbeiten müssen. Nachtarbeit ist laut statistischem Bundesamt für jeden zehnten Berufstätigen Alltag. Gerade bei Alleinerziehenden oder Paaren, die beide im Schichtdienst arbeiten, ist angesichts der durchschnittlichen Kita-Öffnungszeiten von 7.30 bis 16 Uhr die Betreuungsnot groß. Auch Tagesmütter können oder wollen das oft nicht auffangen. Für diese Eltern sind Kitas, die rund um die Uhr geöffnet sind, ein Segen - auch wenn sie ihre Kinder viel lieber selbst ins Bett bringen würden. Selbstverständlich kann man auch die Frage stellen, ob sich berufstätige Eltern bedingungslos der Arbeitswelt anpassen müssen oder ob es nicht besser umgekehrt wäre. Das ist eine ehrenwerte Debatte, geht aber leider an der Realität vorbei und hilft betroffenen Eltern nicht weiter. Und wer diese Debatte führt, sollte sich bitte auch ehrlich fragen, ob - um nur wenige Beispiele zu nennen - ein Verzicht auf Einkaufen, Restaurantbesuche, Polizeieinsätze oder medizinische Betreuung außerhalb der Kita-Öffnungszeiten ernsthaft eine Option wäre.

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