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Allg. Zeitung Mainz: Gesucht: ein Wunder
Kommentar zu Griechenland

Mainz (ots) - Wenn ein Unternehmen vor der Totalpleite steht, ist es menschlich ein kurzes, angenehmes Gefühl, wenn der nervigste Stinkstiefel geht. Aber für die fundamentale Wende reicht das höchstens in einem von einer Million Fälle. Es ist schön und gerecht, dass Varoufakis verschwindet - wirklich auf Dauer? -, aber im Falle Griechenland hilft es bestenfalls, Gespräche nicht von vornherein zu blockieren. Im Falle Griechenland stellt sich überhaupt die Frage, was noch helfen könnte, und, wichtiger, was "helfen" bedeutet. Ein radikaler Schuldenschnitt würde dem Land erhebliche Luft verschaffen. Danach müsste aber das folgen, was noch schwieriger ist als die Sicherstellung solider Finanzen: die Sicherstellung eines Managements und einer Mentalität, um höchst effizient Korruption zu bekämpfen und Steuern auch bei den Superreichen einzutreiben. Und mit dem Schuldenschnitt wäre es alleine nicht getan, die ein oder andere Milliarde müsste zusätzlich fließen, "on top", wie Ökonomen das nennen. Dann ist da auch die alte Gerechtigkeitsfrage. Wieso Extrawürste für die Griechen?, wollen jetzt schon Slowaken, Esten, Letten und Litauer wissen, zu Recht. Hinzu kommen - so ist das Leben - taktische Überlegungen: Die Regierungen in Paris und Berlin haben keine Lust, sich wegen Griechenland ständig von Leuten wie Marine Le Pen und Frauke Petry an den Pranger stellen zu lassen. Die Gelehrten im antiken Griechenland haben bisweilen Beinahe-Wunder vollbracht. Etwas in der Größenordnung müsste es jetzt sein. Wenn nicht, kann Athen nicht im Euro bleiben, aber es bleibt - und das darf argumentativ nicht unterschlagen werden - in der EU. Und dort gibt es nachweislich ein Leben auch ohne Euro.

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