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Allg. Zeitung Mainz: zum griechischen Referendum
Merkels Bühne

Mainz (ots) - Nein, das Referendum ist nicht das Finale einer großen Tragödie. Es ist lediglich die logische Konsequenz eines Schmierenstücks. Es begann 2001: In die Eurozone gehörte Griechenland nie, der Beitritt wurde möglich dank Bilanzbetrug, den Politiker, die sich heute noch für große Europäer halten, duldeten. Aber natürlich lag und liegt das eigentliche Problem in Griechenland selbst. Was hat man dem Land eigentlich angetan? Die verteufelte Rettungspolitik hat in anderen Staaten der EU geholfen. Und gegen das, was etwa Island nach der Lehman-Pleite durchmachen musste, ging und geht es Griechenland noch relativ gut. Aber was sind schon Fakten in der Welt eines Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis? Sie erkannten die Schwäche Angela Merkels. die sich mit ihrer Schaukelpolitik zwischen der abstrakten europäischen Idee und den (mittlerweile kalt an die EZB abgetretenen) Forderungen der Banken erpressbar gemacht hatte. Also gingen die Pin-up-Boys der europäischen Linken zum Angriff über. Einen Angriff, den Wolfgang Schäuble und andere stoppten. Nur um dann in das Grinsen zweier von allen gnadenlos unterschätzter Zocker zu blicken, die sagten: "Auf eigenen Beinen stehen zu müssen ist uns zu mühsam. Lasst uns lieber das Volk fragen." Wer ist hier der Terrorist? Die Griechen wurden also gefragt. Zu etwas, das offiziell nicht mehr zur Debatte steht und dessen Tragweite sie kaum verstehen können. Aber da ihre Regierung sie in diese Lage gebracht hat, müssen sie nun das durchstehen, was aus dem Nein folgt: Griechenland geht noch schwereren Zeiten entgegen. Varoufakis hat diejenigen, die Abermilliarden in ein Fass ohne Boden warfen, als Terroristen bezeichnet. Weil sie den Menschen Angst gemacht hätten. Was haben er und Tsipras denn anderes getan? Beide sind in diesem Sinne also selbst Terroristen, und mit Terroristen verhandelt man nicht. Schon gar nicht auf Augenhöhe. Mal abgesehen davon: Worüber soll denn nach diesem Nein noch verhandelt werden? Jetzt hilft - wie auf der Theaterbühne - nur noch der deus ex machina, der aus der Kulisse tretende Gott, der alles regelt: Entweder gibt es eine große Geste, oder Griechenland verlässt den Euro. Ist Angela Merkel die Staatsfrau, die die Macht für eine solche Geste hat? Die Europa von der Intensivstation holt? Wenn ja, sollte sie sie einsetzen. Nicht zuletzt wegen ihres eigenen, deutschen Publikums. Das darf zwar nicht abstimmen. Aber es ist es gründlich leid, denen helfen zu müssen, die sich nicht helfen lassen wollen, und sich dafür auch noch beschimpfen zu lassen.

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