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Allg. Zeitung Mainz: Zur Sterbehilfe
Zeit zu gehen?

Mainz (ots) - Sterben auf Rezept? Der Gesetzentwurf von Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist der schrillste zum neuen Palliativgesetz, und natürlich erhält er die größte Aufmerksamkeit. Vielleicht ist es ja auch ganz gut, dass die Öffentlichkeit gezwungen ist, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob es einen ärztlich assistierten Tod auf Verlangen geben darf. Wir fragen uns viel zu selten, was der Mensch darf und was er nicht darf. Warum sollten wir nicht bei uns selbst damit anfangen? Eine Aussicht auf eine Mehrheit im Bundestag hat die Initiative zum Glück nicht. Wenn die Selbsttötung als ärztliche Behandlungsvariante angeboten würde, wer will dann verhindern, dass sich schwerstkranke Menschen aus Rücksicht auf ihre Angehörigen zu diesem Schritt gedrängt fühlen könnten? Eine gruselige Vorstellung. Elementar ist dagegen, dass die Segnungen eines begleitenden Sterbens endlich vom Glücksfall zur Norm werden. Nur ein Bruchteil der Sterbenden scheidet heute unter Zuhilfenahme der Palliativmedizin aus dem Leben. Gerade einmal drei Prozent sollen bisher einen Platz im Hospiz finden. Deshalb ist es richtig, wenn Gesundheitsminister Hermann Gröhe 200 Millionen Euro jährlich in die ambulante Sterbebegleitung investieren will. Der eigentliche Problemfall aber ist nicht die Sterbebegleitung daheim. Es sind die vielen qualvollen und einsamen Tode in den Heimen. Hierauf hat bisher keiner der vier vorliegenden Gesetzentwürfe eine befriedigende Antwort gefunden. Wie auch, wenn in den Pflegeheimen in Deutschland nicht einmal Zeit für ein Mindestmaß an Betreuung bleibt?

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