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Allg. Zeitung Mainz: Hilfe rechnet sich
Kommentar zu "entkoppelten" Jugendlichen

Mainz (ots) - Mehr als 20000 Jugendliche gelten als "entkoppelt vom System, weil sie in so schlimmen Verhältnissen aufwachsen, dass sie sich mit zunehmend seelischen und psychosozialen Störungen auf dem direkten Weg in die Gosse befinden. Das stellt jetzt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts dar. Am Ende des Abstiegs droht dauerhafte Obdachlosigkeit und Drogensucht. Natürlich ist die Zahl geschätzt, weil es sich solche Schicksale, die im Halbdunkeln vor sich hin vegetieren, naturgemäß einer exakten Erfassung entziehen. Die Studie hat indes die Größenordnung glaubhaft machen können. Der Handlungsbedarf ist unverkennbar. Ein Anfang wäre gemacht, wenn man das Wort "Heimerziehung" vom Ballast der Vergangenheit befreite. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Debatte erlebt, in der es um Ausbeutung und Züchtigung von Heimkindern ging. Was sich vor 50 Jahren ereignet hat, hat das Image der Heimerziehung erheblich beschädigt. Doch auch dies ist in der jetzt vorgestellten Studie nachzulesen: Schon eine Mindestverweildauer von zwei Jahren kann Biografien von Jugendlichen, die auf die schiefe Bahn abzurutschen drohen, positiv beeinflussen. Sie erreichen mehr Eigenverantwortlichkeit, Gemeinschaftsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Kurzum: Sie werden nicht allein gelassen. Solche Hilfe kostet Geld. Das allerdings ist gut investiert, weil es erheblich teurer wird, einem Menschen, der in der Gosse angekommen ist, wieder auf die Beine zu helfen. Deutlich teurer als die präventive Heimerziehung ist im Übrigen auch der Maßregelvollzug, in dem psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter untergebracht werden. Und das oft für lange Zeit.

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