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Allg. Zeitung Mainz: Aufgeblasen
Kommentar von Friedrich Roeingh zum G7-Gipfel

Mainz (ots) - Irrsinn muss man Irrsinn nennen dürfen, auch wenn das G7-Bashing noch so in Mode gekommen sein mag. Rund 300 Millionen Euro für einen Gipfel der Regierungschefs von sieben Industrienationen auszugeben, ist schlicht Irrsinn. Dass ausgerechnet der Kanzlerin - die sich so gern mit der schwäbischen Hausfrau in Verbindung bringen lässt - das Abenteuer Elmau unterlaufen ist, ist ein ganz persönlicher Ausfall. Dabei geht es längst nicht nur um die Frage, ob man das G7-Treffen nicht auch im Kanzleramt oder wie die Münchner Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof veranstalten könnte. Die Größe der Delegationen ist das viel größere Problem. Weit über 1000 Mann sollen etwa im Tross von Barack Obama aus den USA anreisen. Das Format ist schlicht über sich hinausgewuchert. Gerade Deutschland hätte gut daran getan, einen Beitrag dazu zu leisten, das G7-Treffen wenigstens schrittweise auf das Format zurückzuführen, als das es Helmut Schmidt und Giscard d'Estaing vor rund 40 Jahren erfunden haben: Dem intensiven und vertraulichen Austausch der einflussreichsten Regierungschefs. Das wird bei aufgeblasenen Delegationstreffen dieser Art niemals mehr erreicht werden. Und noch ein anderer Fehler der Kanzlerin ist vor Beginn der Konferenz zu tadeln. Dass jetzt noch nicht der Zeitpunkt gekommen sein mag, Wladimir Putin wieder einzubinden - geschenkt. Dem russischen Präsidenten aber "auf absehbare Zeit" die Tür zu weisen, ist ein Riesenfehler. Konflikte kann man bekanntlich nur überwinden, wenn man miteinander spricht. Zur Erinnerung: Die KSZE-Konferenz zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wurde auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges aus der Taufe gehoben.

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