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Allg. Zeitung Mainz: Freundschaft wagen
Kommentar zu Deutschland und Israel

Mainz (ots) - Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen (West)Deutschland und Israel 20 Jahre nach dem Holocaust: Ein Wagnis auf der einen Seite, eine Ungeheuerlichkeit auf der anderen. Kaum vorstellbar aus damaliger Sicht, wie sich die Beziehungen zwischen dem Land der Täter und dem Land der Verbliebenen des sechsmillionenfachen Völkermordes jenseits von Wiedergutmachungszahlungen ausdrücken sollten. Auch aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar, weil aus diplomatischen Beziehungen längst eine Freundschaft erwachsen ist. Nicht mehr richtig vorstellbar ist das Wagnis von 1965 nicht nur für die jüngeren und jungen Deutschen. Nicht mehr vorstellbar ist es auch für die jungen Israelis, die es zur Zeit in Heerscharen in das hippe Berlin zieht. Die Enkel der Opfer holen quasi nach, was in den 70er und 80er Jahren viele idealistische junge Deutsche in die Kibbuze des Judenstaates zog. Schöner könnte sich Normalisierung nicht ausdrücken. Doch normal ist ein Tabuwort im Verhältnis zwischen Deutschland und Israel, weil die Scham und die Verpflichtungen, die aus der Judenvernichtung erwachsen, nicht enden. Und doch braucht diese Freundschaft mehr Normalität. Die Normalität, dass sich Freunde auch kritisieren können. Die Ehrlichkeit und Offenheit, die jede Freundschaft ausmacht. Auch und gerade in den Fragen der völkerrechtswidrigen jüdischen Siedlungspolitik. Dass mit dem ehemaligen israelischen Botschafter Avi Primor der Freund den befreienden Anstoß dazu gab, war wohl notwendig. Ausfüllen müssen das in der nächsten Phase der Beziehungen die deutsche Politik und immer auch die Bürger dieses Landes.

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