Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Kompromiss
Kommentar zum katholischen Arbeitsrecht

Mainz (ots) - Aus der katholischen Kirche, aus ihren Kindergärten und Krankenhäusern wird nun kein weltliches Unternehmen, aber eine kleine Revolution ist die Lockerung des kirchlichen Arbeitsrechtes schon. Gewerkschaften erhalten Zugangsrecht zu kirchlichen Einrichtungen. Und wer nach einer Scheidung wieder heiratet, kann von einem katholischen Betrieb nur noch in Ausnahmefällen gekündigt werden. Für die aufgeklärte Welt ist das ein kleiner Schritt, für die katholische Kirche ein großer. Nach ihrer Lehre ist die Ehe unauflöslich und eine Wiederheirat nach Scheidung Sünde. Dazu weicht die jetzt beschlossene Novelle verfassungsrechtlich garantierte Sonderrechte auf. Die Kirche wird damit ein Stück weit menschlicher, sie öffnet sich den Realitäten. Zu den Realitäten zählt, dass qualifizierte Mitarbeiter immer schwieriger zu finden sind. Auch das mag ein Motiv sein für die Novelle des Arbeitsrechtes, die ein längst überfälliger Kompromiss ist. So hatten die hohen Loyalitäts-Anforderungen der katholischen Kirche einen antiquierten Anstrich verpasst, etliche Prozesse und schlechte Presse eingetragen. Das somit transportierte Unverständnis für kircheninterne Regelungen hat den Blick darauf verstellt, dass die Forderung nach Loyalität im Grundsatz ihre Berechtigung hat. Natürlich muss keiner in einer katholischen Klinik arbeiten, der mit dem katholischen Glauben auf Kriegsfuß steht. Ein Mitarbeiter, der sich mit seinem Arbeitgeber nicht identifizieren kann, ist ein unmotivierter Mitarbeiter und damit in jedem Unternehmen unerwünscht. Nicht nur in denen der katholischen Kirche.

Pressekontakt:

Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
Regionalmanager
Telefon: 06131/485817
desk-zentral@vrm.de

Original-Content von: Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Allgemeine Zeitung Mainz

Das könnte Sie auch interessieren: