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Allg. Zeitung Mainz: Besser als nichts
Kommentar zur Schiersteiner Brücke

Mainz (ots) - Gewiss, die aufwändige Reparatur der angeknacksten Schiersteiner Brücke ist eine beeindruckende Ingenieursleistung. Diese war allerdings notwendig geworden durch einen haarsträubenden Bauunfall, dessen Ablauf und vor allem Ursachen noch lange nicht geklärt sind - das sollte beim Beifallklatschen nicht ausgeblendet werden. Haben wir es mit einem drastischen Fall von Baustellenpfusch zu tun oder war höhere Gewalt im Spiel? Und welche Rolle spielte der wohl alles andere als tadellose Zustand der Vorlandbrücke, als sich am Abend des 10. Februar plötzlich ein Pfeiler zur Seite neigte und die Fahrbahn einer Bundesautobahn um 30 Zentimeter krachend absackte? Auf diese Fragen gibt es bislang keine Antworten, nirgends. Aus einem weiteren Grund dürfte sich der Jubel bei vielen Pendlern in Grenzen halten: Die Schiersteiner Brücke kehrt als Nadelöhr zurück. Selbst wenn die Fahrbahn in den nächsten Tagen wieder frei gegeben wird, rollt der Verkehr in Richtung Wiesbaden nur einspurig und mit Tempo 40 über die geflickte Stelle - erst hinter Mombach stehen beide Spuren wieder zur Verfügung. Auf der Schiersteiner Brücke geht es im morgendlichen Berufsverkehr von Rheinland-Pfalz nach Hessen schon seit Jahren quälend langsam voran - jetzt werden die Autofahrer beim Überqueren des Rheins noch mehr Geduld aufbringen müssen. Und doch wäre es, gemessen am Zustand der vergangenen Wochen, eine deutliche Verbesserung. Die genervten Menschen am Steuer müssen sich wohl Tag für Tag zwingen, Trost in der Devise zu suchen: Besser dieses Nadelöhr als gar keine Schiersteiner Brücke.

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