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Allg. Zeitung Mainz: Härte des Gesetzes
Kommentar zum Achenbach-Urteil

Mainz (ots) - Sechs Jahre? Ist das nun viel? Oder doch eher nicht? Um es gleich vorweg zu nehmen: Milde geht anders. Die sechs Jahre für den Kunstberater Helge Achenbach, der seinen besten Klienten um Millionensummen betrog, stehen ganz und gar im Einklang mit einer Rechtsprechung, die immer dann besonders unnachsichtig agiert, wenn es um das liebe Geld geht. Die Redewendung "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen" gilt schon lange nicht mehr. Der kleine Haudrauf kann vor Gericht oft auf mildernde Umstände zählen. Den Betrüger in Anzug und Krawatte trifft dagegen gern die ganze Härte des Gesetzes. Wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass da einer, der als Fachmann in Kunst- und Antiquitätendingen anerkannt war, den Reichen und "Superreichen" nach Belieben seine manipulierten Rechnungen präsentierte, das allerdings hat auch mit den Eigenarten des Kunstmarkts zu tun. Die Preisgestaltung gerade im Spitzensegment ist so unübersichtlich und mit so vielen subjektiven Faktoren versetzt, dass bei der Versteigerung eines Top-Gemäldes zwei, drei Millionen Dollar Abweichung vom Tax-Wert kaum jemanden in Erstaunen versetzen. Diesen Sachverhalt hat sich Helge Achenbach rücksichtslos zunutze gemacht. Wenn irgendetwas das harte Urteil des Landgerichts Essen rechtfertigt, dann ist es dieser zutiefst schäbige Vertrauensbruch in einem Segment, in dem Vertrauen fast noch wichtiger ist als sonst irgendwo in der Finanzwelt. Die Schadenssumme von gut 20 Millionen Euro, um die es ging, kann es jedenfalls nicht allein gewesen sein.

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