Allgemeine Zeitung Mainz: Spesen
Kommentar zum Rekordsprung

Mainz (ots) - Ein Mensch fällt freiwillig aus rund 40 Kilometer Höhe wie ein Stein zur Erde und macht seinen Sponsor um einige Milliönchen reicher als die ganze Aktion gekostet hat. Und weil wirklich jeder im Zeitalter von YouTube daran teilhaben kann, wird der Sturzflug natürlich zum massenmultimedialen Event. So weit so vorhersehbar. Wer Spaß daran hat, soll ihn haben. Und danach bitte wie Felix Baumgartner wieder auf den (Erd-)Boden der Tatsachen zurückkehren. Etwa, wenn Schlagzeilen wie "Mondlandung unserer Generation" geprägt werden. Der Hinweis, dass die Apollo-Astronauten vor über 40 Jahren keine 40, sondern fast 400000 Kilometer bis zu ihrer Mondlandung zurücklegten, mag in Zeiten gezielt geschürter Hypes kleinkrämerisch wirken. Falsch ist er deswegen nicht. Aber was war schon der Kalte Krieg gegen die globale Mission eines Limonadeherstellers? Im Ernst: Was wird jetzt passieren? Die Talkshows werden sich um Baumgartner reißen, die Kriegskasse von Red Bull für die nächsten Aktionen ist noch praller gefüllt. Sonst nichts. "Außer Spesen nichts gewesen", sagt der Volksmund dazu, und man ist definitiv keine Spaßbremse, wenn man so denkt. Was hat Felix Baumgartner während seines Fluges gesehen? Den abgeholzten Regenwald? Die chinesischen Fabriken, in denen unter unsäglichen Bedingungen die Smartphones hergestellt werden, die seinen Sprung erst zum weltweiten Ereignis machten? Die wüstenhaften Halden der Aluminium-Minen, aus denen auch die Verpackung für Limonade kommt? Wird er und wir mit ihm daraus lernen? "Manchmal musst du weit hinaufgehen, um zu sehen, wie klein du bist", hat er - hoffentlich nicht auch noch kalkuliert - formuliert. Wenn man ein Anliegen hat, das schwerer wiegt als eine Getränkedose, muss man das. Aber nur dann.

Pressekontakt:

Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
Regionalmanager
Telefon: 06131/485817
desk-zentral@vrm.de