Allg. Zeitung Mainz: Das Böse
Kommentar zum Breivik-Urteil

Mainz (ots) - Es wird auf der Erde niemals eine absolute Gerechtigkeit geben, weil niemand einem anderen ins Herz schauen kann, weil niemand im Besitz der absoluten Wahrheit ist. Der Kampf um die größtmögliche Gerechtigkeit - das ist der Maßstab. Ihn hat das Gericht erfüllt beim Breivik-Urteil. Das Volk wollte, dass Breivik für zurechnungsfähig erklärt wird und ins Gefängnis geht, die Hinterbliebenen wollten das auch. So ehrenwert solche Gedanken und Gefühle sind: Sie zählen nicht. Was zählt, ist das Recht, die Überzeugung der Richter, die verantwortlich sind für ihr Urteil und dafür geradestehen müssen bis ans Ende ihrer Tage. Dass Breivik nicht in die Psychiatrie wollte, durfte kein Beweggrund sein, ihn dorthin zu schicken. Dass er nicht in die Psychiatrie geht, heißt auch, dass das Gericht der Versuchung widerstand zu urteilen: Nicht sein kann, was nicht sein darf. Gut so. Denn die Vermutung, dass jemand, der so etwas abgrundtief Böses tut wie Breivik, krank sein muss, ist ein Trugschluss. Es gibt sie, die geistig gesunden, abgrundtief bösen Menschen, warum auch immer sie so geworden sind. Dass für sie dennoch die Menschenwürde gilt, und dass sie auch nicht mit dem Tod bestraft werden dürfen, ist sicher schwer hinzunehmen. Und für viele Hinterbliebenen ist es gewiss die Hölle. Aber es muss so sein, nach der Ethik des aufgeklärten Rechtsstaats, für die es keine Alternative gibt. Unabdingbar ist dann allerdings auch, dass dieser Rechtsstaat alles tut, um Verbrechen zu verhindern. Das ist in Norwegen nicht geschehen, es gab fürchterliche Versäumnisse. Auch muss garantiert sein, dass die Gerechtigkeit, die das Gericht im Urteil manifestiert, voll zum Tragen kommt. Das bedeutet, dass Breivik niemals wieder in Freiheit gelangen darf.

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