Allgemeine Zeitung Mainz: über Bayreuth
Mainz (ots) - Endlich weicht er! Das Aufatmen der Musikwelt über Wolfgang Wagners Entscheidung, Ende August den Weg freizumachen für eine Nachfolgeregelung in Bayreuth, ist aus jedem Winkel der Republik zu hören. Und in Anbetracht des stattlichen Alters des Richard-Wagner-Enkels - er wird fast punktgenau am Tag seines Rücktritts von den Bayreuther Amtsgeschäften seinen 89. Geburtstag begehen - ist die Erleichterung über diesen Schritt nicht weniger als verständlich. Dennoch sollte niemand zu lautstark frohlocken. Natürlich benötigt das Haus auf dem Grünen Hügel eine Perspektive. Aber es ist keineswegs so, dass es unter Wolfgang Wagner zu einem Museum erstarrt wäre. Nicht nur, dass der Patriarch mit alten Verdiensten wie dem Großreinemachen im Säulen- und Holzsitz-Heiligtum nach der Hitlerei wuchern kann. Er hat sein Haus auch neuen und allerneuesten Trends geöffnet, gab sich in der Folge nicht einmal mit der legendären "Ring"-Aktualisierung Patrice Chéreaus von 1976 zufrieden, sondern lockte sogar einen Nibelungen-Fledderer wie Heiner Müller 1993 zu einem "Tristan" und einen Bühnen-Berserker wie Christoph Schlingensief 2004 zu einem "Parsifal" nach Bayreuth. Der Moderne eine Plattform - und zugleich der Tradition eine Gasse. Der starrsinnige Alte war eben auch ein umsichtiger und erstaunlich neugieriger Regent. Das müssen die Wagner-Halbschwestern Eva und Katharina erst einmal hinbekommen.
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