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Neue Westfälische (Bielefeld): "Turbo-Abitur" in Nordrhein-Westfalen Von Wahlumfragen getrieben Florian Pfitzner, Düsseldorf

Bielefeld (ots) - Bayerns Ministerpräsident ist in Düsseldorf längst zu einem festen Bestandteil der parlamentarischen Alltagssprache geworden - wenn auch nur als Verb. Nun war es NRW-Schulministern Löhrmann, die die Gelegenheit für eine verbale Watschn nutzte und dem rhetorisch gewieften FDP-Chef Christian Lindner empfahl, lieber über Qualität in der Bildung zu sprechen als zu "seehofern". Kaum eine zweite Partei in NRW hat sich einst so eindeutig für die Schulzeitverkürzung an Gymnasien auf acht Jahre ("G8") ausgesprochen wie Lindners Liberale. Davon ist die FDP nun abgerückt. Inzwischen sei man, ähnlich wie Horst Seehofer, für Wahlfreiheit. Dies sei "keine Rolle rückwärts", versicherte die Partei - und erinnerte damit an ihren Positionswechsel beim Freihandelsabkommen TTIP, der am Ende doch keiner gewesen sein soll. Man könnte die Sache als Vorwahlkampfgeplänkel abtun, wäre der Streit um das sogenannte Turbo-Abi nicht so emotional aufgeladen. Eltern von Grundschülern fragen sich, was ihre Kinder wohl auf dem Gymnasium erwartet, ob bei all dem Lernen überhaupt noch Zeit für Freizeit und Familie bleibt. Das sollte man in der Tat ernst nehmen. Gleichzeitig hilft ein seriöser Blick in den Erlass, der auf die Empfehlungen des Runden Tisches zu G8/G9 zurückgeht. Demzufolge dürfen die Schulen in den Klassen 5 bis 7 an höchstens einem, in den Klassen 8 und 9 an höchstens zwei Nachmittagen Unterricht erteilen. Hausaufgaben sind an enge zeitliche Vorgaben gebunden. Was da als liberale Haltung verkauft wird, scheint eher von Sonntagsfragen getrieben. Vorrangig hieße Wahlfreiheit nicht weniger, sondern mehr Unruhe. Kleine Gymnasien sind zudem kaum in der Lage, zwei Modelle parallel anzubieten. Die Bildungsfachfrau der FDP-Fraktion, die bald konkrete Vorschläge einreichen soll, kann einem fast leid tun.

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