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Neue Westfälische (Bielefeld): Einkommensverteilung Ungerechtigkeitsgefühl nimmt zu Hannes Koch, Berlin

Bielefeld (ots) - Der Sieger nimmt alles", sang die schwedische Pop-Gruppe Abba. Im Lied "The winner takes it all" geht es um eine gescheiterte Liebe, doch angesichts der aktuellen Zahlen fühlt man sich daran erinnert. Die Vorstände der großen deutschen Aktiengesellschaften erhöhten ihre Einkommen zwischen 1997 und 2014 um 186 Prozent. Einheimische Durchschnittsverdiener schafften im Laufe dieser 18 Jahre nur 15 Prozent. Entwicklungen wie diese darf die Politik nicht reaktionslos hinnehmen. In den Zahlen, die aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum stammen, spiegelt sich unter anderem die Globalisierung. Leute mit guter Ausbildung und besten Beziehungen können die Honorare hochtreiben, weil sich die Unternehmen auf dem globalen Managerarbeitsmarkt gegenseitig die Spitzenkräfte abjagen. Zwar argumentiert etwa der US-Philosoph Jahn Rawls, dass für die Gerechtigkeit einer Gesellschaft nicht so sehr der finanzielle Unterschied zwischen unten und oben eine Rolle spiele, sondern die Frage, ob alle Bürger wenigstens etwas vom allgemeinen Fortschritt profitieren. Und das scheint ja der Fall zu sein: Laut der Umfrage verzeichneten auch die Durchschnittsverdiener ein kleines Plus. Trotzdem: Das Gefühl der Ungerechtigkeit nimmt zu, nicht nur in Deutschland. Denn in jüngster Zeit kam es immer wieder vor, dass die Normalbürger Einbußen hinzunehmen hatten, während es den reichsten Schichten der Bevölkerung weiterhin gut ging. So ließ die Sparpolitik nach der Finanzkrise die Einkommen der Mittelschicht in Griechenland, Spanien oder Portugal stagnieren oder sinken. Einen ähnlichen Effekt hatten die deutschen Hartz-Reformen in den 2000er Jahren. Erst allmählich ändert sich das wieder. Vor diesem Hintergrund diskutiert die deutsche Politik immer mal wieder über die Höhe der Abgaben. Während sich Union (Steuersenkung) und SPD (Steuererhöhung) in der großen Koalition blockieren, könnte nach Bundestagswahl 2017 Bewegung in die Sache kommen. Gerechtfertigt wäre das. Maßvoll sollte der Staat seinen Beitrag dazu leisten, dass das Gerechtigkeitsgefühl nicht weiter erodiert. Etwas stärkere Steuersätze für hohe Einkommen, Erbschaften und Vermögen sind durchaus sinnvoll. Wobei man nicht vergessen darf: Wer viel Geld hat, findet meist einen Weg, es zu schützen. Das macht Sieger aus.

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