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Neue Westfälische (Bielefeld): Immer mehr Mensch haben Schulden bei Krankenkassen Das Wesen des Solidarprinzips Martin Fröhlich

Bielefeld (ots) - Die gesetzlichen Krankenkassen geben pro Jahr rund 205 Milliarden Euro aus. Da fallen doch 4,5 Milliarden Beitragsschulden, die sich noch dazu über mehrere Jahre angehäuft haben, kaum ins Gewicht, könnte man meinen. Doch es geht den Krankenkassen nicht nur um das Geld an sich, sondern ums Prinzip. Dieses Prinzip ist die Solidargemeinschaft. Wir alle zahlen in eine Krankenversicherung ein, damit diejenigen, die krank werden, daraus Leistungen beziehen können. Und die Kassen leisten auch, wenn der Beitragszahler Schulden bei ihnen hat. Er wird nicht an der Krankenhauspforte abgewiesen und nicht vom Arzt nach Hause geschickt. Das muss so sein, denn das Solidarprinzip gilt vor allem im Sinne der Schwächsten der Gesellschaft. Sie sind es, die am ehesten ohne eigene Schuld ein Problem damit haben, Beiträge für die freiwillige Versicherung zu berappen: Alleinerziehende, Rentner, Witwen, Selbstständige in Finanznot, bestimmte Studenten und andere mehr. Wenn jedoch über Jahre hinweg Schulden in Milliardenhöhe auflaufen, trifft das alle Versicherten. Denn der Krankenkasse fehlt das Geld und damit fehlt es allen Versicherten. Was also tun? Die Kassen rufen nach dem Staat. Aus Steuertöpfen ließen sich solche Lücken am ehesten schließen. Doch wer ist eigentlich der Staat? Wir alle sind das. Und so würde am Ende wieder das Solidarprinzip greifen, nur eben auf einem Umweg. Darüber kann man sich als Steuerzahler ärgern. Oder zähneknirschend akzeptieren, dass ein Sozialstaat nicht anders funktioniert. Wer weiß, wann man ihn selbst einmal braucht.

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