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Neue Westfälische (Bielefeld): SPD debattiert über Kanzlerkandidaten Gabriels Offensive Thomas Seim

Bielefeld (ots) - Der Vorsitzende einer großen Volkspartei in Deutschland ist auch immer der erste Herausforderer des amtierenden Regierungschefs. Es sei denn, er ist bereits Regierungschef. Oder seine Kandidatur würde ihm von Parteifreunden streitig gemacht. In Deutschland also ist Sigmar Gabriel der geborene Kanzlerkandidat der SPD. Es gibt Ausnahmen, sicher. Helmut Schmidt zum Beispiel wurde Kanzler, als Willy Brandt zurücktrat. Brandt blieb Parteichef, Schmidt regierte acht Jahre. Gerhard Schröder zum Beispiel wurde ebenfalls Kanzler, ohne Parteichef zu sein. Das hielt allerdings nur wenige Monate und war Ergebnis eines dann zerbrechenden Bündnisses zwischen dem damaligen Parteichef Lafontaine und Schröder. Als Lafontaine ging, übernahm Schröder auch dieses Amt. Als er es abgeben musste an Franz Müntefering, ging es mit der Kanzlerschaft bergab. Mit einem Mitgliederentscheid hat die SPD keineswegs nur gute Erfahrungen. Der einzige, den sie bislang zum Parteivorsitz durchführte, machte Rudolf Scharping zunächst zum Parteichef. Dann reklamierte Scharping die Kanzlerkandidatur - das Ergebnis ist bekannt. Gabriel stellt die Kandidatenfrage, weil das die Machtfrage ist. Seine Macht wird - innerhalb und außerhalb der SPD - seit Monaten angezweifelt. Deshalb sind die Reaktionen in der SPD-Spitze auf Gabriels Vorstoß interessant: Frank-Walter Steinmeier winkt ab. Er hat schon gegen Angela Merkel verloren. Olaf Scholz winkt ab. Hamburgs Erster Bürgermeister trennte in einem viel beachteten Interview das Soziale von der Gerechtigkeit und machte damit den Markenkern seiner Partei weich. Hannelore Kraft scheidet wegen der Wahl in NRW aus. Es bleiben zwei Namen: Europas Parlamentspräsident Martin Schulz und Arbeitsministerin Andrea Nahles. Den einen kennt nur eine Minderheit, die andere gilt der Mehrheit nicht als vermittelbar. Beide schweigen bislang. Sollte das so bleiben, wäre die Kandidatenfrage damit beantwortet. Denn Gabriel hat ihnen die Machtfrage gestellt: Tretet jetzt an, oder schweigt für immer, mindestens bis zur Qahl 2017. Gabriel wäre dann als Kandidat wieder unumstritten - ganz ohne offizielle Nominierung. Seine Offensive wäre gelungen.

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