Neue Westfälische (Bielefeld)

Neue Westfälische (Bielefeld): Debatte um Flüchtlingskrise in Deutschland Der Wahrheit verpflichtet Thomas Seim

Bielefeld (ots) - Zwei Vorgänge vom Wochenende, zufällig ausgewählt: Ein deutschlandweites Magazin zeigt auf seinem Titel eine nackte blonde Frau, notdürftig bedeckt mit roten Schlagzeilen, dafür aber übersät mit schwarzen Hände-Abdrücken. Titel: Frauen klagen an. Geschmacklos, sicher - aber auch mehr als das: Es schürt den Konflikt, den es zu beschreiben vorgibt, instrumentalisiert dazu blonde Frauen und macht sie so ein weiteres Mal zu Opfern. Es unterstützt damit den widerlichen Furor, der diese Republik gerade zu beschädigen droht. Nummer zwei: Eine Mail an eine unserer Redakteurinnen, in der ein feiger Schreiber anonym neben einigen widerlichen Beschimpfungen droht, die Kollegin solle sich in Zukunft zurückhalten, man werde sie ab sofort im Auge behalten. Das haben einschlägige Kreise vor acht Jahrzehnten schon einmal getan. Die Kölner Vorgänge um die verbrecherischen Banden von organisierten ausländischen Kriminellen und Asylbewerbern lassen alle Dämme brechen. Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit werden offen artikuliert. Mehr als das: Sie werden aggressiv gegen jeden vorgebracht, der sich differenziert mit den Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung nach Deutschland beschäftigt - und zwar auch als unverhüllte Drohung. Niemand wird mehr ausgenommen. Weder Medien noch die politisch Verantwortlichen. Respekt und differenziertes Urteil? - Fehlanzeige. Was ist los in diesem Land, dem es so gut geht wie nie zuvor. Ja, sicher, es sind schwere Fehler passiert. Merkels Satz "Wir schaffen das" war nicht die klügste Formulierung zur Bewältigung der Flüchtlingsströme. Ja, auch das: Die Masse der Flüchtlinge und die Aussicht darauf, dass ihr Zustrom zunächst kaum geringer wird, muss uns alle beunruhigen. Alle Kraft der politisch Handelnden müsste sich darauf konzentrieren, diese Herausforderungen zu bewältigen und ihre Ursachen entschiedener zu bekämpfen. Schließlich: Am Wochenende in Köln haben besoffene braune und Pegida-Horden, deren verbrecherisches Potenzial ebenso hoch ist wie das des frauenverachtenden Mobs ausländischer Straftäter - ganz gleich ob auf der Kölner Domplatte oder vor der Elephant-Disco in Bielefeld -, ihr Unwesen getrieben. Es wird Zeit, dass man dem entgegentritt und hart gegen straffällig gewordene Ausländer und ebenso hart gegen den rechtsradikalen ausländerfeindlichen Mob vorgeht. Kölns Kardinal Woelki fordert in seinem wöchentlichen Wort entschiedenes Handeln gegen "marodierende Männerhorden". Aber er verurteilte zugleich, der Hass und die Hetze gegen Ausländer sei widerlich und verstoße gegen die menschliche Würde. Woelki mahnte zu einem "verantwortlichen Umgang mit der Wahrheit". Diesem Anspruch ist unsere Zeitung verpflichtet.

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