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Neue Westfälische (Bielefeld): Gedenken an Franz Josef Strauß Kleinkariert Ralf Müller, münchen

Bielefeld (ots) - Mit Lichtermeer, Konzert und feierlicher Bayernhymne wurde erst vor wenigen Tagen der Geburtstag eines großen Bayern gefeiert: Die Geburt von "Märchenkönig" Ludwig II. jährte sich zum 170. Mal. Nach heutigen Maßstäben wäre der Monarch ein totaler Politversager. Statt sich um die Geschicke Bayerns und das Wohl seiner Bürger zu kümmern, verlor sich Ludwig in seinen privaten Träumen. Dass er dennoch verehrt wird, liegt an seiner Bauwut: Seine Königsschlösser kurbeln den Tourismus im Freistaat bis heute an. Was hat das mit dem 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß zu tun? Es geht um das, was bleibt, was "hinten rauskommt", wie Helmut Kohl sagte. Und abgesehen von Mutter Theresa wird es wohl schwierig sein, eine Figur der Zeitgeschichte ohne jede Schattenseite zu finden, sozusagen die personifizierte moralische und politische Korrektheit. Strauß war von diesem Idealbild ziemlich weit entfernt. Die Spiegel-Affäre und diverse politische Irrflüge bis hin zur recht hemmungslosen Vermischung von Amt und privaten Interessen werfen bleibende Schatten. Die CSU wäre gut beraten, diesen Teil nicht komplett auszublenden. Aber auch die Opposition wird nicht bestreiten können, dass Strauß Bayern vorangebracht hat. Sicherlich nicht allein, aber doch an maßgeblicher Stelle und über einen langen Zeitraum hinweg hat er den Freistaat von einem hinterwäldlerischen Agrarland zu einem modernen Industriestaat geführt. Hätte Strauß an einer Gedenkveranstaltung für Willy Brandt oder Egon Bahr teilgenommen? Mit einiger Sicherheit. Denn bei allem, was man ihm vorwerfen mag, eines war er nicht: kleinkariert.

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