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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Terror in Tunesien Anschlag auf die Demokratie Ralph Schulze, Madrid

Bielefeld (ots) - Nach dem Horroranschlag in Tunis, dem touristischen und demokratischen Herzen Tunesiens, braucht Europas Mittelmeer-Nachbar vor allem eins: massive Hilfe und breite Solidarität. Denn es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass islamistische Fanatiker mit ihrem abscheulichen Massaker die noch junge Demokratie dieses nordafrikanischen Landes von ihrem hoffnungsvollen Weg abbringen. Jene Dschihadisten aus dem Umfeld der Terrormilizen IS und El Kaida, denen ein islamistischer Steinzeit-Schariastaat vorschwebt, haben das arabische Musterland Tunesien nicht zufällig für ihr jüngstes Massaker ausgewählt; vielmehr ist ihnen der erfolgversprechende Demokratiekurs ein Dorn im Auge. Weil sie die tunesische Fahrt Richtung Freiheit, Menschenrechte und Toleranz als Kniefall vor der westlichen Kultur ansehen. Der Reformprozess in Tunesien, wo der arabische Frühling vor vier Jahren begann, gilt als hoffnungsvolles Modell für die gesamte arabische Welt. Friedlich rauften sich säkulare und religiöse Parteien zusammen. Formten, nach den ersten demokratischen Wahlen im Herbst, eine Koalitionsregierung. Verabschiedeten eine Verfassung, in der Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau garantiert wurden - obwohl der Islam als Staatsreligion verankert blieb. Die meisten der elf Millionen Einwohner Tunesiens sind Muslime. Das Attentat führte nun vor Augen, wie gigantisch die Herausforderungen der Einheitsregierung von Ministerpräsident Habib Essid noch sind. Dazu gehört zuvorderst der Kampf gegen den religiösen Fundamentalismus im Land, welcher durch die immer noch große Armut und hohe Arbeitslosigkeit reichhaltigen Nährboden findet. Die Geschichte lehrt, dass die beste Waffe gegen Extremismus und Terror der Ausbau von Demokratie, Rechtsstaat, Fortschritt und Wohlstand ist. Auf diesem hürdenreichen Weg muss die EU das tunesische Volk tatkräftig unterstützen. Denn ein Scheitern des tunesischen Demokratieexperiments wäre ein verhängnisvolles Signal, mit dem die Hoffnung des arabischen Frühlings in der islamischen wie der westlichen Welt wohl endgültig untergehen würde.

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