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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Maut Eiertanz JOhann Vollmer

Bielefeld (ots) - Lang, lang ist es her. Zu Goethes Zeiten galt der Eiertanz noch als große Kunstform. In "Wilhelm Meisters Lehrjahren" lässt der Dichter seine Mignon akrobatisch um die zerbrechlichen Schalen herumkreisen. Unerreicht, für die Ewigkeit. Doch gut zwei Jahrhunderte später hat nun die Regierung in der Mautdebatte den Eiertanz zur neuen Perfektion getrieben. Kommt sie, kommt sie nicht? Müssen die Deutschen zahlen oder nicht? - Kaum ein politisches Projekt der vergangenen Jahrzehnte hat zu so bewundernswerten Windungen im Politikersprech geführt wie die Pkw-Maut. Für solche Verrenkungen braucht es schon ein gutes Stück Rückgratlosigkeit. Kanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich hat den Deutschen vor der Wahl versprochen, dass eine Pkw-Maut mit ihr nicht zu machen sei. Dann hieß es, sie kommt, aber ohne zusätzliche Belastungen. Und nun belegt das Kleingedruckte im Gesetzesentwurf, dass nur die Einführung der Maut kostenneutral wird. Spätere Erhöhungen werden die Autofahrer sehr wohl zu spüren bekommen. Da hat sich Merkel wohl vor der Wahl versprochen. Dass die Sanierung der maroden Straßen dringend finanziert werden muss, ist der Autofahrernation längst klar. Dass das nur über eine Maut für alle geht, ebenfalls. Dass sich im Kabinett niemand traut, das Kind beim Namen zu nennen, ist vor allem eines: peinlich.

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