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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Todesschütze im Fall Brown freigesprochen Die Gräben werden tiefer Dirk Hautkapp, Ferguson

Bielefeld (ots) - Die zynischste Reality-Show in den USA ist vorbei. Das von elektronischen Medien fast wie die Mondlandung inszenierte "Vor-Urteil" der Geschworenenjury im Fall Michael Brown ist ausgegangen wie befürchtet. Der weiße Polizist, der bei einer undurchsichtigen Konfrontation zwölfmal auf einen unbewaffneten Schwarzen feuerte, ist von jeder gerichtsfesten Schuld freigesprochen worden. Unter Umgehung eines geordneten Prozesses. Man muss kein Afroamerikaner sein, um Entstehung, Verlauf, Ausgang und Nachwirkung des missratenen juristischen Vorspiels als Beleg dafür zu sehen, was das Land zerreißt: 50 Jahre nach Ende der Rassentrennung zeigt noch immer ein struktureller Rassismus sein hässliches Gesicht. Sämtliche Staatsorgane haben im Fall Brown versagt. Angefangen von den vier Stunden, die der Leichnam auf der Straße lag, bis zu der von Geheimniskrämerei geprägten Wahrheitsfindung, die ein feiger Bezirksstaatsanwalt Laien übertrug, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen. Kein Missverständnis: Officer Darren Wilson mag aus Notwehr geschossen haben. Ihn unschuldig zu sprechen am vermeidbaren Tod Michael Browns hätte aber Aufgabe eines offenen Gerichtsverfahrens sein müssen. Fergusons gesellschaftspolitisches Mikroklima ließ eine Rechtsfindung im hermetisch abgeriegelten und in gewisser Weise rechtsfreien Raum zu. In Großstädten wie New York oder San Francisco wäre das wohl nicht passiert. Der Freispruch (zweiter Klasse) für Wilson steht für ein krankes Rechtssystem, das Schwarze diskriminiert. Afroamerikaner werden überproportional oft bei Polizeikontrollen verdachtsunabhängig oder wegen Nichtigkeiten schikaniert, mit Strafzetteln belegt und ins Gefängnis gesteckt, weil sie zu arm sind, um Bußgelder zu bezahlen. Gegen das Späterbe von Sklaverei und Rassentrennung hat Präsident Obama, der erste Schwarze im Weißen Haus, nichts ausrichten können. Man wünscht Amerika Innehalten und Besinnung. Sonst ist es eine Frage der Zeit, bis der nächste Michael Brown einen sinnlosen Tod stirbt. Die Krawalle und Plünderungen, die nach der Entscheidung über Ferguson kamen, liegen wie ein Fels auf dem Weg der Annäherung. Die Gräben zwischen Schwarzen und Weißen werden tiefer.

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