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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Verhärteter Tarifkonflikt bei der Bahn Schäbig Wolfgang mulke

Bielefeld (ots) - Immerhin sitzen die Tarifparteien bei der Bahn wieder zusammen. Das ist jedoch der bisher einzige Erfolg eines Spitzengesprächs des Arbeitgebers Bahn mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und deren Konkurrenz, der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Die Positionen sind weiter unvereinbar. Deshalb könnte es in der Weihnachtszeit neue Streiks geben, womöglich sogar von beiden Gewerkschaften. Daran ändert auch die nur vorgeblich angebotene Selbstbeschränkung der GDL nichts. In der Sache ist deren Chef Claus Weselsky bei seiner Maximalforderung geblieben. Die GDL will parallel geltende unterschiedliche Tarifverträge für Zugpersonal und Lokführer erzwingen und spielt "Alles oder nichts". Man mag den Beteiligten zurufen: Redet endlich über Geld, denn darum sollte es in Tarifgesprächen gehen. Doch darum geht es hier eben nicht. Die GDL kämpft im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Das ist ihr gutes Recht, auch wenn Kunden sauer sind, weil sie wegen der Machtgier der Kleingewerkschaft immer wieder Streiks hinnehmen müssen. Durch seine Kompromisslosigkeit ist Weselsky mittlerweile so weit vorgeprescht, dass jedes echte Nachgeben als Niederlage gewertet werden würde. Das würde er in den eigenen Reihen nicht überleben. Deshalb wird er den Machtkampf bis zum bitteren Ende führen. Bedenklich ist die Härte der GDL. Sie kündigt die in Deutschland bewährte Tarifpartnerschaft praktisch auf. Viele Arbeitnehmer, auch außerhalb des Unternehmens, finden das gut. Endlich kommt mal jemand, der den Managern etwas entgegenhält. Dabei geht aber die Solidarität zwischen den Arbeitnehmern flöten. Denn von der Kampfkraft haben nur wenige Spezialisten an entscheidenden Schaltstellen etwas, die Masse der Arbeitnehmer nicht. Das müsste auch die GDL zugeben, wenn sie für weniger wichtige Arbeitsplätze Bedingungen aushandeln müsste. So aber betreibt sie Rosinenpickerei unter den Beschäftigten. Das ist legitim, legal, aber irgendwie schäbig.

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