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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Kalter Krieg Unsinniges Gerede CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Plötzlich ist es wieder da, das Gespenst in Europa namens kalter Krieg. Es steht allerdings nicht mehr für den Unterschied von Ideologien und Überzeugungen wie im 20. Jahrhundert, sondern es steht für den Kampf um Macht, Einfluss und Bedeutung. Das war vor 25 bis 60 Jahren zwar auch der Fall, aber ideologisch untermauert ist die Auseinandersetzung um die Ukraine nicht. Der Westen ist nach dem Niedergang der Sowjetunion und des gesamten kommunistischen Machtbereiches zu forsch vorgegangen, hat Moskau zu sehr gedemütigt, stellt der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow nun fest. Ganz falsch liegt er damit nicht. Staatliche Hilfsprogramme und private Care-Pakete waren Anfang der 90er Jahre nötig, um den Menschen in der zerfallenden UdSSR zu helfen. So weit so gut, es gab ein menschliches Miteinander, Partnerschaft, zumindest zwischen Deutschen und Russen. Darauf jedoch folgte die Offensive der Politik. Der Westen rückte an Russlands Grenze vor. Immer mehr Staaten aus der Ex-Sowjetunion traten - verständlicherweise - der EU und der NATO bei. Aus Sorge vor einem wiedererwachenden Russland. Dieses neue Machtgefüge gerät nun am Beispiel der Ukraine aus den Fugen. Präsident Wladimir Putin versucht, Russland wieder neues Gewicht, neue Macht zu geben. Und schon reden die alten Männer des kalten Krieges wieder vom kalten Krieg: der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger und Michail Gorbatschow. Das aber ist gefährlich und übertrieben. Durch solche Gedanken und Reden verhärtet sich die Konfrontation. Daran richtig ist freilich, das ein Gleichgewicht geschaffen werden muss. Dieser Begriff ist das Geheimnis. Aber das Gleichgewicht muss durch Gespräche und Verhandlungen, nicht durch Rüstung, Kämpfe und Drohgebärden hergestellt werden. Es darf auch nicht mehr das Gleichgewicht des Schreckens sein, sondern das Gleichgewicht in Partnerschaft. Das ist ein anderes Gleichgewicht als das des kalten Krieges. Da Worte Realität beeinflussen, sollten sie wohl gewogen werden. Die alten Männer der Politik haben sicher ihre Verdienste, aber mit solchen Worten heizen sie den kalten Krieg erst an. Sie sollten besser schweigen.

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