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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Vereinbarkeit von Familie und Beruf Unternehmen handeln, um Frauen zu halten Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld (ots) - Frauen können immer noch nicht alles gleichzeitig haben. Arbeitswelt und Gesellschaft lassen einfach nicht zu, dass Frauen Kind und Karriere problemlos miteinander vereinbaren können. Erziehung ist in vielen Köpfen noch immer Frauensache. Auch in den Köpfen vieler Unionspolitiker ist das noch so. Sie wollen die Frauenquote nur einführen, wenn die Wirtschaft brummt - weil die Quote Unternehmen belaste. Fehlende Frauen in den Führungsetagen sind in ihren Augen ein Luxusproblem, auf dessen Lösung man in schlechten Zeiten verzichten kann. Aber auch die Pläne von Apple und Facebook, Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren, wenn sie dafür eine Schwangerschaft zeitlich nach hinten verlegen, zeigen: Elternschaft = Mutterschaft. Es fehlen Strukturen, die es Frauen möglich machen, Mütter zu sein und trotzdem erfolgreich im Beruf. Stattdessen tappen Frauen, die Kinder bekommen, in Fallen wie Minijobs oder Teilzeitstellen, die sie schnurstracks in die Altersarmut führen oder von einem finanzstärkeren Partner abhängig machen. Solange es nicht selbstverständlich ist, dass Erziehung gleichermaßen Frauen- und Männersache ist, so lange werden Unternehmer die Frauenquote als Belastung empfinden und sich mit Händen und Füßen gegen sie wehren. Denn wer legt Elternzeit ein? Wer bleibt zu Hause, wenn das Kind krank ist? Richtig, meistens die Mutter. Innovative Unternehmen wie Apple und Facebook suchen dagegen nach Lösungen, um ihre Mitarbeiterinnen im Betrieb zu halten. Wenn es die Gesellschaft nicht akzeptiert und die Politik die Bedingungen dafür verweigert, dass beide Elternteile gleichermaßen die Erziehung übernehmen, dann regeln die Konzerne das Problem eben selbst. Apple und Facebook nutzen den medizinischen Fortschritt, um Mitarbeiterinnen zu halten - und an ihnen zu verdienen. Das ist natürlich in erster Linie egoistisch, aber im wirtschaftlichen Wettbewerb keine Überraschung. Deshalb ist es falsch, das Angebot der IT-Konzerne zu verteufeln, denn es ist freiwillig. Dass Apple und Facebook ihre Mitarbeiterinnen auch bei Adoptionen und Geburten finanziell unterstützen, zeigt, dass sie ihren Mitarbeiterinnen verschiedene Möglichkeiten bieten, eine Familie mit Kind zu planen und zu gründen. Doch wie immer, wenn in die "natürliche Ordnung" eingegriffen wird, regt sich in Deutschland lautstarker Widerstand. Reflexhaft strecken Kritiker ihren moralischen Zeigefinger empor, um Frauen zu sagen, dass sie nicht noch weiter über ihren eigenen Körper verfügen dürfen. Schließlich habe es ja, je nach Einstellung, die Natur oder Gott so gewollt, dass Frauen nur wenige Jahre Zeit haben, ein Kind zu bekommen. So gelten Frauen, die ihre Eizellen in der Tiefkühltruhe lagern, für manche als egoistisch und für andere als verzweifelt. Dabei sind eingefrorene Eizellen oder andere Formen der Familienplanung weder egoistisch noch das Ergebnis einer Verzweiflungstat, sondern des freien Willens der Frau. Solange damit nicht dem Kind geschadet wird, muss dieser Wille respektiert werden. Viele respektieren das nicht. Unternehmen brüsten sich stolz damit, dass sie finanzielle Förderungen für die Familienplanung nicht nötig haben, weil sie mit Teilzeitstellen schon genug tun, um Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Dabei verschweigen sie aber die drohende Altersarmut und den Schritt zurück auf der Karriereleiter, die berufstätigen Müttern drohen. Sie machen es sich einfach. Genau wie die Politik, die Gleichberechtigung für ein Luxusproblem hält.

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