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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Friedensnobelpreise Eine gute Wahl THOMAS SEIM

Bielefeld (ots)

Die Träger des Friedensnobelpreises 2014 sind herausragende Persönlichkeiten mit einer glaubwürdigen und nachhaltigen Friedensbotschaft. Das Engagement für Bildung und die Stärkung der Kinderrechte ist ein gerechtes Anliegen der Weltbevölkerung. Dafür stehen sowohl die junge Bildungsaktivistin Malala Yousafzai als auch der indische Kinderrechtler Kailash Satyarthi. Die Entscheidung des Friedensnobelpreiskomitees ist insofern richtig und angemessen. Den meisten von uns ist das Schicksal Malalas unter die Haut gegangen. Das Schicksal des Mädchens, das bereits seit seinem elften Lebensjahr in einer bemerkenswerten klugen und abgeklärten Weise öffentlich für das Recht auf Bildung weltweit agitiert, und zwar gerade für jenes Land Pakistan, in dem insbesondere Frauen dieses Recht nicht ausreichend gewährt wird, hat niemanden kalt gelassen, konnte niemanden kalt lassen. Mit einem lebensgefährlichen Schuss in den Kopf haben blindwütige Taliban-Terroristen, die sich vor den Frauen als gleichberechtigten Menschen fürchten, versucht, sie zum Schweigen zu bringen. Sie hat es überlebt und ist seither aktiver, politischer und wirkungsvoller in ihrer gerechten Sache unterwegs als zuvor. Eine beeindruckende Geschichte von Mut und Charakter. Diese Botschaft für mehr Gerechtigkeit versteht man wohl. Sie ist so angemessen wie die, die mit dem zweiten Preisträger einhergeht. Der Inder Kailash Satyarthi ist seit Jahren unermüdlich gegen Kindersklaverei in Südasien im Einsatz. Gerade in unseren Breitengraden wird oft nur unzureichend registriert, wie sehr unser wirtschaftlicher Erfolg und privater Wohlstand auch auf der Ausbeutung der Kinderarbeitskraft und der Sklaverei von Kindern beruht. Darauf mit dieser Auszeichnung mahnend aufmerksam gemacht zu haben, das ist eine gute Entscheidung. So hat also das No᠆belpreiskomitee in Oslo gewissermaßen alles richtig - oder besser: nichts falsch gemacht. Aber reicht diese Gewissheit, nichts falsch gemacht zu haben, aus? Erwartet man nicht von einer weltweit respektierten Institution wie dem Nobelpreiskomitee einen Fingerzeig mehr? Einen Hinweis zum Beispiel, wie man oder wer die neuerliche Spaltung der Welt in der Ukraine, die neuen Glaubenskriege im Nahen Osten, die staatliche Willkür in Hongkong in einen konstruktiven Prozess für Freiheit und Frieden führen könnte? Zugegeben: Die Auszeichnung in aktuelle Entwicklungen hinein zu verleihen birgt ein hohes Risiko für das Komitee. Die Wahrscheinlichkeit von Fehleinschätzungen ist tatsächlich nicht gering. Man denke nur an die Vorschusslorbeeren bei der Preisverleihung an den frischgewählten US-Präsidenten Barack Obama, der die in ihn gesetzten Hoffnungen jedenfalls nicht wie vom Komitee erwartet zu erfüllen vermochte. Dennoch: Dieser Mut zu einem Risiko zeichnete frühere Verleihungen auch aus. Ganz gleich, ob man an zweifelhafte Auszeichnungen im Nahen Osten - wie Sadat oder Arafat - oder in Südafrika - wie de Klerk - denkt: Nobelpreise waren oft mutige Signale für den Aufbruch in eine neue, friedlichere Zukunftsvision. Das ist das Besondere, das Unerwartete, nach dem man bei der Entscheidung 2014 ein wenig sucht. So bleibt es bei der befriedigenden Erkenntnis: nichts falsch, alles richtig gemacht für würdige Preisträger. Auch das verdient Respekt.

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