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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Tumulte in Herford nach Salafisten-Angriff auf Jesiden Eine Stadt ist die Welt barbara glosemeyer

Bielefeld (ots) - Ob die Gewaltexzesse in der Ostukraine, in Syrien oder im Gaza-Streifen: Die Konflikte und Tausende Toten der Krisenregionen sind gefühlt für viele Menschen weit weg. Falsch. Wenn, wie jetzt in Herford, die kurdische Glaubenswelt der Jesiden und die radikalisierte Islamistenideologie der Salafisten aufeinanderprallen, dann "brennt" eine Stadt in Ostwestfalen. Der Konflikt zwischen Jesiden und Salafisten schlägt vor der eigenen Haustür ein, weil es ein weltweiter Konflikt ist. Die Weltreligionen werden immer öfter für ideologische Grabenkämpfe und Gewaltexzesse zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens funktionalisiert. Religionen sind nie per se gewalttätig, aber ihre Marktschreier der Gewalt gebrauchen sie für ihre Interessen. Überraschen dürfen die Tumulte vom Mittwoch nicht, gilt Herford doch schon lange ausweislich des Verfassungsschutzes als ein Zentrum der Salafistenszene. Die Islamisten, unter ihnen auch russische Tschetschenen, die nichts mehr zu verlieren haben und vor allem von Armut und Aussichtslosigkeit getrieben sind, sind mitten unter uns. Und der Bürger reagiert fassungslos und resigniert. Stummes Entsetzen. Umso lauter war am Mittwoch die Angst, Wut und Verzweiflung der Jesiden zu spüren und zu hören. Sie wollen reden, aufklären, aufrütteln. Sie wollen, dass die Weltgemeinschaft, die Politik und die Medien endlich hinschauen, statt sich mit der Frage eines muslimischen Schützenkönigs zu beschäftigen, wie mir ein Jeside am Mittwoch sagte. Auch wenn es uns nicht passt: Wir in Deutschland und in Ostwestfalen können uns nicht mehr heraushalten. Wir müssen eine Haltung einnehmen und eine mutige, vernünftige Debatte einfordern. Eines gilt dabei immer und uneingeschränkt: keine Gewalt - für niemand und durch niemand. Herford, eine Stadt lädt sich auf an einem fanatisierten Glaubenskonflikt. Eine Stadt ist die Welt.

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