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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Abhöraffäre in Polen Moralinsaure Aufgeregtheit BERNHARD HÄNEL

Bielefeld (ots) - Ein Abhörskandal erschüttert Polen. Über 900 Stunden wurden Gespräche der Politprominenz in einem Nobelrestaurant mitgeschnitten. Gesammelt wurde dabei ein Sittengemälde der polnischen Republik im 21. Jahrhundert. Die Sprache ist häufig trivial und obszön, selbst dann, wenn es um Staatsgeschäfte geht. Peinlich für die Abgehörten, noch peinlicher für diejenigen, die von Staats wegen für den Schutz der Politiker zu sorgen haben. Offenbar sind polnische Schlapphüte genauso leicht zu überlisten wie ihre deutschen Kollegen. Denn der Trick war simpel. Im Chambre séparée genügte ein simples, als Kellnerruf getarntes Abhörgerät, um eine Staatsaffäre auszulösen. Wer dahintersteckt, ist noch nicht aufgeklärt. Klar ist aber, wer daraus seinen Nutzen ziehen könnte. Schnell fällt einem die nationalkonservative Partei von Jarosław Aleksander Ka-czynski ein. Mit feinem Umgang ist sie weder innen- noch außenpolitisch aufgefallen. Natürlich darf, nein sollte die Gossensprache der politischen Klasse für Entrüstung sorgen. Doch ob dies reicht, den Rücktritt der Regierung des durchaus erfolgreichen Donald Tusk zu fordern? Eher nicht. Polen hat aktuell andere Sorgen und kann sich derartige Aufgeregtheit nicht leisten. Für die Europäische Union, für das deutsch-polnische Verhältnis wäre eine Abwahl wegen künstlicher moralinsaurer Aufgeregtheit schädlich. Polen und Europa brauchen Kontinuität mit Donald Tusk.

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